High Heels in der Chefetage

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Bei vielen großen Unternehmen, die ihren Sitz im Taunus haben, gehören Frauen dem Top-Management an.

Region Rhein-Main – Während Politiker noch diskutieren, haben viele Unternehmen mit Sitz im Taunus, in Frankfurt sowie in Stadt und Kreis Offenbach längst etwas in Sachen Frauenquote getan. Sie wissen um das Potenzial weiblicher Führungskräfte – und bieten Betriebskindergärten und flexible Arbeitszeitmodelle. Von Julia Renner

Fresenius in Bad Homburg, Procter & Gamble in Schwalbach, Fraport in Frankfurt, Hasbro in Dreieich: Diese und andere Unternehmen beschäftigen tausende Menschen in der Region. Wie viele Frauen arbeiten bei diesen Unternehmen in den Chefetagen? Und was wird getan, um Arbeit und Beruf unter einen Hut zu bringen?

Taunus

Fresenius: Im Vergleich zu anderen Unternehmen, so Sprecher Matthias Link, stehe Fresenius gut da. In den beiden obersten Leitungsebenen unterhalb der Vorstandsebene liegt der Frauenanteil bei 28 Prozent. Um Frauen trotz Kind im Beruf zu halten, bietet Fresenius Möglichkeiten zur Kinderbetreuung in konzerninternen Betreuungseinrichtungen oder auch finanzielle Förderung bei der Kinderbetreuung. Auch flexible Arbeitszeitmodelle gehören dazu. „Frauen sollen ihren Karriereweg fortsetzen können“, sagt Link. Von der von der Politik geforderten Quote hält der Konzern nicht viel: „Starre Quoten führen nicht zum Ziel. Die Chancengleichheit muss gefördert werden.

Thomas Cook: Im Top-Management des Reisekonzerns liegt der Anteil der Frauen bei 15 Prozent, ein Viertel der Abteilungsleiter sind Frauen, im Vorstand sitzt eine Frau. Seit August gibt es eine Kita auf dem Gelände des Unternehmens, in dem 30 Plätze für Mitarbeiter-Kinder reserviert sind. Außerdem, so sagt Sprecherin Nina Kreke, „haben Headhunter den klaren Auftrag, Frauen auf ihre Listen zu setzen“.

Procter & Gamble: In der globalen Führungsebene des Konzerns sitzen 45 Personen, davon zwölf Frauen. „An der Spitze der Geschäftsführung von P&G Deutschland, Österreich und der Schweiz steht seit 2007 mit Pirjo Väliaho eine Frau“, sagt Sprecherin Petra Popall. Am Standort in Schwalbach sind sogar 45 Prozent der Führungskräfte weiblich. Auch P&G bietet flexible Arbeitszeitmodelle.

Deutsche Börse: Im oberen und mittleren Management sind 14 Prozent Frauen vertreten, im unteren Management 27 Prozent. Neben flexiblen Arbeitszeitmodellen gibt es sogar eine Kinder-Notfallbetreuung und die Möglichkeit, Kinder am Ferienprogramm teilnehmen zu lassen. Im Vorstand der AG sitzt allerdings keine Frau.

GIZ: Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit in Eschborn verfügt über eine Betriebs-Kita. An den Standorten der GIZ gibt es insgesamt 30,9 Prozent Frauen in Führungspositionen, 2007 waren es noch 27,2 Prozent.

Frankfurt

Fraport: Im gesamten Konzern liegt der Frauenanteil bei nur rund 20 Prozent. Was auch damit zu tun hat, so sagt Sprecher Thomas Uber, dass allein 8000 Menschen bei den Bodenverkehrsdiensten beschäftigt sind. Und diese körperlich anstrengenden Arbeiten machen meist Männer. Im Vorstand von Fraport sitzen vier Männer, auf den fünf Führungsebenen darunter liegt der Frauenanteil bei 20 Prozent. „Es gibt sogar Frauen in Führungspositionen, die Halbtags arbeiten“, betont Uber. Auch flexible Arbeitszeitmodelle und eine eigene Kita gibt es.

Deutsche Bank: In der obersten Führungsebene, direkt unter dem Vorstand, liegt der Anteil der Frauen bei 14 Prozent, in der mittleren Führungsebene bei 27 Prozent. Als familienfreundliches Unternehmen wurde die Deutsche Bank auch bereits mehrfach ausgezeichnet, betont ein Sprecher der Bank. Seit mehr als 30 Jahren gibt es an vielen Standorten Betriebskindergärten, viele Vereinbarungen über Teilzeitmodelle, auch Tagesmütter können kostenlos durch einen Kooperationspartner vermittelt werden. „90 Prozent der Mütter kehren nach der Babypause wieder zurück.“

Mainova: Dem Vorstand des Energieversorgers gehören 25 Prozent Frauen an, im gesamten Mainova-Verbund liegt der Wert bei 21 Prozent. Damit Frauen auch in der Führungsebene arbeiten können, wenn sie Kinder haben, gibt es die konzern-eigene Kita „Energiebündel“ und flexible Arbeitszeitmodelle, dazu gehört auch die Möglichkeit zur Heimarbeit.

Nestlé: 27 Prozent der Führungskräfte der Nestlé Deutschland AG sind weiblich, sagt Sprecher Sören Pinkow. Damit das so bleibt, bietet das Unternehmen Möglichkeiten zur Heimarbeit, Jobteilung und auch ein so genanntes Sabbatjahr – eine unbezahlte Auszeit – an. Außerdem stehen im Konzern zwölf Krippen-Plätze zur Verfügung und es gibt eine Vermittlung von Tagesmüttern.

Stadt und Kreis Offenbach

Honda: 292 Mitarbeiter hat Honda in Offenbach, darunter sind 60 Frauen. Der Frauenanteil in Führungspositionen liegt bei drei Prozent. Pläne, diesen Anteil zu erhöhen, gebe es derzeit nicht, sagt Honda-Sprecher Alexander Heintzel. Mütter und Väter können flexible Arbeitszeitmodelle nutzen, damit sich Beruf und Familie leichter vereinen lassen. „Bei uns gibt es eine Kernzeit. Um diese Zeit herum kann man sich relativ frei bewegen“, so Heintzel.

MHK Group: Im Vorstand der Vereinigung sitzt derzeit keine Frau, unter den Top-zehn-Führungskräften sind dagegen zwei Frauen. „Wir haben jedoch das Ziel, die Frauenquote zu erhöhen“, sagt Daniel Schmid, Sprecher der Gruppe. Das Unternehmen habe großes Interesse daran, dass Frauen, die in die Babypause gehen, dem Unternehmen auch erhalten bleiben. Deshalb werde in jedem Fall ein Arbeitsmodell ausgearbeitet: Teilzeit, home office oder eine Kombination aus beiden Möglichkeiten.

Hasbro: In der obersten Führungsebene von Hasbro Deutschland sitzen 20 Prozent Frauen, in der Ebene darunter etwa 40 Prozent, sagt Sprecherin Rafaela Hartenstein. Damit Mitarbeiter, die Eltern sind, ihre Familie auch mit der Arbeit vereinen können, gibt es verschiedene Arbeitszeitmodelle. „Wir versuchen, auf die Wünsche der Mitarbeiter einzugehen“, so Hartenstein. So ist es auch möglich, im Büro und zeitweise auch von Zuhause zu arbeiten.

CWS boco: Im Unternehmen liegt der Anteil der Frauen bei über 50 Prozent. In Führungspositionen arbeiten mehr als 13 Prozent Frauen, sagt Sprecherin Katja Wollschläger. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Arbeitszeitmodelle. „Ein Credo des Unternehmens ist es, Familie und Beruf vereinen zu können. Und das bezieht sich nicht nur auf Frauen“, sagt Wollschläger.

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