Hier lernen Kinder, sich zu wehren

+
Monika Baumgartl hat einen Jungen am Kragen gepackt – natürlich nur zu Übungszwecken.

Bad Soden – „Na du Blödmann, du“, sagt Monika Baumgartl und hat einen kleinen Jungen am Kragen gepackt. Der hat keine Angst vor ihr, weiß sich zu wehren: „Geh weg“, sagt er laut. Baumgartl bringt Kindern bei, sich gegen Ältere durchzusetzen, die sie sexuell oder auf andere Weise bedrängen. Von Julia Renner

Humor ist wichtig. Monika Baumgartl weiß, dass sie es mit jungen Menschen zu tun hat. Und denen will sie keine Angst machen. Den Acht- bis Zwölfjährigen erzählt sie Geschichten von anderen Kindern. „Der Papa war nicht wie die anderen Papas, er war ein Fiesling...“, heißt es da. „Meine Geschichten gehen immer gut aus, weil sich die Kinder jemandem anvertrauen“, sagt sie.

Zwischendurch wird immer mal wieder herzlich gelacht. „Dürft ihr mit der Oma mitgehen? Dürft ihr mit einem Freund von Papa mitgehen? Dürft ihr mit einem Bankräuber weggehen?“ Das gefällt den Kindern. Auch die direkte Art kommt gut an. Baumgartl redet nicht um den heißen Brei herum, spricht dabei jedoch keine krassen Details an. „Wenn ältere Kinder sagen ,Komm, wir machen Pimmelmessen‘, was macht ihr dann“, fragt sie in die Runde von gut 20 Mädchen und Jungen in einer Grundschule in Bad Soden. Die Kinder wissen, dass sie dann sagen sollen, dass sie das nicht möchten und ihre Eltern einweihen. So etwas für sich zu behalten, ist nämlich ein „schlechtes Geheimnis“.

Schon Fünfjährige machen bei Seminaren mit

„Sie macht das sehr charmant“, sagt Susanne Rudolph. Ihr Sohn hat bereits ein Seminar von Baumgartl besucht, jetzt ist die Tochter dran. Dass die Themen nicht unbedingt leicht zu vermitteln sind, weiß Rudolph. „Das ist eine Gratwanderung.“

Wieso werden manche Menschen Opfer, andere nicht? Gibt es Einflussmöglichkeiten? Diese Fragen hat sich Monika Baumgartl schon vor Jahren gestellt. Als junge Frau wurde sie selbst mal überfallen. Sie fing danach an, Kampfsport zu lernen und entwickelte das Konzept für ihre Seminare. Ob für Senioren, Sozialarbeiter oder eben Kinder. Seit 20 Jahren ist Baumgartl mit ihren Kursen in der Region unterwegs. Sogar mit Fünfjährigen spricht Baumgartl schon über sexuelle Gewalt. „Dann geht es darum, dass man die Schätze anderer Leute, wie Schmuck oder Bilder nicht anfassen darf. Und Kinder sind die größten Schätze ihrer Eltern, die darf man auch nicht einfach anfassen.“

Den Mädchen und Jungen machen die Seminare schlichtweg Spaß. Gelernt hat Vincent schon eines: „Ich sage immer Bescheid, wohin ich gehe, und ich darf keine schlechten Geheimnisse haben.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare