Hier dürfen auch Frauen Mönche sein

+
Tai-Lan Mao-Ying vor einer Buddha-Figur.

Region Rhein-Main – Drei Kellen Wasser sind es, die die Seele reinwaschen. Daran glauben die Fo-guang-shan-Buddhisten. Im Mai wollen sie nun rund um den Frankfurter Liebfrauenbrunnen in aller Öffentlichkeit die rituelle Buddha-Waschung zelebrieren. Den EXTRA-TIPP-Lesern gewähren die Frankfurter Nonnen schon vorab einen Blick in ihren Tempel. Von Christian Reinartz

Kurzgeschorene Haare, ockerfarbene Kutten und ein herzliches Lachen – statt mit einem Handschlag begrüßen die Nonnen Yong Chao Shih und Ru Chun Shih die Besucher mit gefalteten Händen und einer ehrerbietenden Verbeugung. Der Duft von Räucherstäbchen hängt in der Luft. Leise chinesische Entspannungsmusik erklingt aus einem abgegriffenen Mini-Ghettoblaster. Hier ist das Herzstück der Buddha-Anhänger Süddeutschlands. Es befindet sich in einem Innenhof an der Hanauer Landstraße. Dort stehen Tempel und Gemeindehaus der Fo-guang-shan-Buddhisten. 110 Mitglieder zählt die Gemeinde. Viele davon sind aus Frankfurt. Aber auch aus dem Taunus oder aus Stadt und Kreis Offenbach kommen sie, um gemeinsam zu beten. „Manche reisen sogar aus München an“, sagt Tai-Lan Mao-Ying, die Vorsitzende des Internationalen Buddhistischen Kulturvereins, der den Tempel betreibt: „Wir sind für alle offen.“

Geistliches Oberhaupt des Tempels sind die Meisterinnen Yong Chao und Ru Chun. Nicht selbstverständlich. Es ist eine Eigenheit dieser taiwanesischen Sparte des Buddhismus, in der auch Frauen die Mönchsweihe erhalten dürfen. Als Nonnen leiten sie die Gläubigen bei gemeinsamen Gebeten an.

Mit Gebeten meinen die Buddhisten allerdings etwas anderes, als es sich Christen gemeinhin vorstellen können. Sie meditieren gemeinsam, singen mit sonorer Stimme althergebrachte Merksprüche und Weisheiten, mehrere Stunden am Tag. Ihr Ziel: Die Erleuchtung finden, um ins Nirwana (deutsch: „Nichts“) zu kommen. Doch bis dahin genießen die Nonnen im Frankfurter Kloster ihr Leben. „Ich fühle mich hier sehr wohl, weil in Frankfurt alles kompakt ist und man hier bequem leben kann“, sagt Yong Chao, die vorher vier Jahre Nonne in Berlin war: „Und es gibt viel zu tun.“

Denn die Gemeinde er Fo-guang-shan-Buddhisten ist im Begriff zu wachsen. „Es kommen immer mehr Menschen zu uns, die unseren Glauben teilen wollen“, sagt Vereinschefin Tai-Lan Mao-Ying: „Darunter sind auch viele Einheimische, die auf der Suche nach der richtigen Religion sind.“

Ihnen will sich die Gemeinde nun auch in aller Öffentlichkeit präsentieren. Am Samstag, 14. Mai, veranstaltet die Gemeinde rund um den Liebfrauenbrunnen an der Neuen Kräme die traditionelle Buddha-Waschung. Dabei wird mit einer Kelle dreimal Wasser über eine der vielen dort aufgestellten Buddha-Statuen gegossen. „Das reinigt das eigene Herz“, verspricht Mao-Ying: „Auch Passanten dürfen mitmachen und sich von ihrer Last befreien.“

Der Frankfurter Buddha-Tempel, Hanauer Landstraße 11-13, ist für Interessierte täglich, außer dienstags, von zehn bis 18 Uhr geöffnet.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare