Hexen zaubern jetzt im Verein

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Cornelia Bayer ist eine Hexe in keltischer Tradition. Zu ihrer Ausrüstung gehören Besen und Zauberstab.

Frankfurt – Abrakadabra, dreimal schwarzer Kater – Cornelia Bayer hat es satt, das zu hören. Ohne Warze, ohne Hakennase, ohne Hokuspokus. Mit ihrem Hexen-Verein will sie nun der Öffentlichkeit beweisen, dass Hexen ihren festen Platz in der Gesellschaft verdienen. Von Christian Reinartz

„Schutzzeichen Wasser“ – ein verschlungenes Symbol, halb Wasserstrudel, halb Uterus, schmückt den hölzernen Türrahmen der Dachgeschosswohnung von Cornelia Bayer in Butzbach. Aus der Wohnung dringt der Duft von Kiefernharz. Im Halbdunkel steht eine Frau in Hausschuhen. Nichts an ihr erinnert an den klassischen Märchenschreck. Und doch ist sie mehr Hexe, als alle Grimmschen Warzenträgerinnen zusammen.

Und gezaubert wird dort auch. Meistens bei Vollmond. Dann treffen sich die Hexen der Region an geheimen Plätzen in den Wäldern rund um Frankfurt. Dort vollziehen sie magische Rituale nach uralten Überlieferungen. Dabei werden zunächst alle vier Himmelsrichtungen beschworen. Danach tanzen die Hexen Kreistänze zum Harfenspiel. „Ein Feuer machen wir aber nicht. Wir beziehen unsere Kraft aus dem Mondlicht“, verrät Bayer.

Sie benutzt Magie nur um Gutes zu tun

Wer beim Zaubern Blitze und Paukenschläge erhofft, wird enttäuscht. „Wir versuchen, magische Energie zu lenken, um Menschen Kraft zu geben und Dinge positiv zu beeinflussen“, sagt Bayer. Hexenbesen, Zauberstab und das „Buch der Hexenweisheit“ besitzt sie trotzdem. „Aber wir reiten nicht auf dem Besen oder lassen einen Stock Feuer spucken. Diese Gegenstände sind reine Hilfsmittel, um Zauber besser wirken zu können.“ Erst neulich haben sie und ihre Hexen-Kolleginnen einem kranken Bekannten magische Energie geschickt. „Mittlerweile ist er auf dem Weg der Besserung“, sagt Bayer: „Magie funktioniert immer.“ Davon ist sie überzeugt. Sie stellt allerdings klar: „Wir benutzen Magie ausschließlich, um etwas Gutes zu tun.“ Wer nämlich etwas Böses damit vollbringe, auf den falle es dreimal so stark zurück, lautet eine Hexen-Faustregel, sagt Bayer. „Und wer will das schon?“

Weitere Infos auf der Internetseite von Cornelia Bayer oder per Mail an corneliabayer@t-online.de.

Mindestens so wichtig wie die Magie ist einer Hexe ihr Kräutergarten. Cornelia Bayer, die gerade eine Ausbildung zur Heilpraktikerin absolviert, baut dort jede Menge Heilkräuter an. „Die haben alle eine medizinische und eine magische Wirkung“, sagt die Hexenvereinschefin: „Ich nutze beide.“ Hexenkraut Nummer Eins: Der Beifuß. Das stark duftende Kraut ist dafür prädestiniert, Räume von schlechten Energien zu reinigen. Dazu wird er getrocknet und verräuchert. Woher sie all ihr Wissen hat? „Man kann da nicht irgendwelche Kurse belegen“, sagt sie. Große Teile der Szene arbeiteten im Verborgenen. Nach wie vor aus Angst vor gesellschaftlicher Ächtung. „Wer glaubt, eine Hexe zu sein, muss sich im richtigen Moment einer anderen offenbaren, dann wird man schon an die richtige Adresse geschickt. Dann kommt alles von selbst“, sagt Bayer.

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