Nach seinem Fußball-Unfall ist Jürgen Hoffelner fast wieder der alte „Hoffi“

„Heute ist mein zweiter Geburtstag“

Das Lachen gelingt wieder wie früher: Torwart Jürgen Hoffelner genießt die Zeit mit seiner Frau Renate und seinen Kindern Lena und Jan. Fotos: ane

Rhein-Main - Langen/Urberach – „Torwart im Koma“, „Schock und Spielabbruch“, „Tragischer Unfall in der Hessenliga“ – so lauteten die Schlagzeilen zum Horror-Crash von Jürgen Hoffelner genau vor einem Jahr, an den sich der Torwart von Viktoria Urberach auch heute noch nicht erinnern kann. Dennoch geht es dem Familienvater wieder sehr gut, selbst Fußballspielen kann er. Von Andreas Einbock

Am 11. Oktober 2008 passiert das Unglück, bei dem Hoffelner sieben Knochenbrüche im Ober- und Unterkiefer erlitt und vier Zähne verliert. Zum ersten Mal schaut sich der 36-Jährige alle Fotos an. Ruhig und konzentriert betrachtet der gebürtige Langener die Situation, wie er blutend am Boden liegt. „Meine letzte Erinnerung ist die Dehnübung vor dem Spiel. Dann weiß ich nur noch, dass ich mich im Krankenhaus über diese Schläuche wunderte“, sagt Hoffelner. Seine Frau Renate kommt hinzu und schaut ihm neugierig über die Schulter. Auch Tochter Lena und Sohn Jan zeigen keine Scheu beim Anblick der Fotos, während ihnen Papa die Bilder erklärt.

Wieder wird „Hoffi“, wie ihn alle nennen, bewusst, dass er einen ziemlich guten Schutzengel hatte. Und der hieß Ulrich Krämer. Der Urberacher Mannschaftsarzt holte ihm damals die Zunge aus dem Hals und ihn zurück ins Leben. Wegen seiner guten körperlichen Verfassung lag Hoffelner nur drei Tagen im künstlichen Koma. Nach zwei Wochen im Krankenhaus durfte er wieder nach Hause. Sechs Wochen später bereiteten dem EDV-Mitarbeiter der Deutschen Bahn 80 seiner Kollegen einen großen Empfang. Hunderte Mails und Briefe gaben ihm zusätzlich Kraft.

So wie früher wird es aber nicht mehr. Drei Zähne sind zwar wieder richtig angewachsen, bei einem ist aber ein Implantat geplant. Schnell lasse die Konzentration nach. Und gegen das Taubheitsgefühl im rechten Unterkiefer kaut er regelmäßig Kaugummi. „Am meisten ärgere ich mich über meine motorischen Aussetzer. Die Treppen springe ich jedenfalls nicht mehr hoch.“ Das Augenzucken und seine Sehstärke will er nächste Woche untersuchen lassen. Der Antrag auf Sportinvalidität wird folgen.

Dem Verursacher Sascha Volk vom 1. FC Eschborn, wo er selbst drei Jahre spielte, ist der Torwart nicht böse: „Ich unterstelle ihm keine Absicht. Er wollte mir wohl eher ausweichen. Wir haben kurz danach telefoniert und uns bei einem Hallenturnier im Januar lange unterhalten.“

Zum Fußball findet Hoffelner langsam wieder zurück. Bei den Alten Herren in Langen trainiert er seit drei Wochen: „Ein Comeback in der Hessenliga wird es aber nicht geben.“ Ein Traum ist dem Eintracht-Fan geblieben: „Einmal vor 50.000 Fans in die Commerzbank-Arena einlaufen, das wär‘s.“ Vielleicht schafft er das als Trainer. Derzeit büffelt er für den Schiedsrichterschein, um dann die C-Lizenz zu machen.

Auf den heutigen Tag freut sich Jürgen Hoffelner: „Irgendetwas hat meine Frau geplant. Ich bin ganz gespannt.“

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