Heusenstamm bittet zur Kasse

Stadt kassiert zu wenig: Jetzt folgt der Gebühren-Schock

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Ein gewohntes Bild vor der nächsten Leerung: Die 60-Liter-Tonne von Friedrich Paul ist etwas mehr als die Hälfe gefüllt. Und trotzdem bekommt er eine größere Tonne – die Satzung schreibt es so vor.

Heusenstamm - Die Stadt Heusenstamm macht mit der Einführung der Biotonne eine überraschende Entdeckung: Rund 1150 Haushalte haben eine falsche, meist wohl zu kleine Restmülltonne. Die Betroffenen zahlen jetzt kräftig drauf. Von Dirk Beutel und Axel Grysczyk

Zur Hälfe, höchstens dreiviertel voll wird die Restmülltonne von Friedrich Paul, die er sich mit drei anderen Personen teilt. Und das schon seit 1997. So lange kam er gut mit der 60-Liter-Tonne aus. Doch damit soll bald Schluss sein, denn die Stadt Heusenstamm will ihm ein doppelt so großes Exemplar vor die Haustüre stellen. Grund ist die Abfallsatzung der Stadt. Demnach sind pro Person 15 Liter Restmüll vorgesehen, diese Menge soll ab dem 1. Januar aber auf zwölf Liter reduziert werden aufgrund der Einführung der Biotonne.

Wie die Stadt mitteilt, hat der Fachdienst Steuern und Abfallwirtschaft die einzelnen Haushalte auf diese Vorhaltevolumen überprüft. Ergebnis: Im Fall von Friedrich Paul sei eine Mülltonne mit einem Volumen von 120 Litern vorgesehen – obwohl er sie überhaupt nicht braucht. „Damit werden alle Haushalte über einen Kamm geschert“, sagt er. Bisher zahlte Paul eine Jahresgebühr in Höhe von 137 Euro, mit der neuen Tonne wären es etwa 275 Euro. Paul: „Diese Satzung geht an der Lebensrealität der Menschen komplett vorbei. Und das soll gerecht sein, wenn ich mehr Luft in der Tonne habe, als Abfall und die auch noch bezahlen muss?“

Rund 1150 Haushalte haben eine zu kleine Tonne

Der Erste Stadtrat der Stadt Heusenstamm, Uwe-Michael Hajdu, rechtfertigt das Vorgehen. „Man kann es nicht anders regeln. Im Zuge der Einführung der Biotonne haben wir festgestellt, dass rund 1150 Haushalte eine zu kleine Tonne haben. Diese Haushalte profitieren davon, dass andere Haushalte – insbesondere Single-Haushalte – zu viel bezahlen“, sagt er. Da es keine kleineren Behälter gibt, müssen beispielsweise Alleinlebende ebenfalls eine 60-Liter-Tonne bezahlen. Und das obwohl bei ihnen nach Satzung in zwei Wochen nur 30 Liter Restmüll anfallen.

Hajdu legt aber auch Wert darauf, dass mit der Müllgebühr ebenso die Kosten anderer Entsorgungsarten abgedeckt werden: Die Annahme des Grünschnitts und von Wertstoffen sowie die Abfuhr des Sperrmülls und des Altpapiers. Hajdu, zuständiger Müll-Dezernent in Heusenstamm, erklärt: „Wir müssen die Situation am Jahresende neu bewerten. Dann haben wir alle Preise für die Entsorgung des Biomülls auf dem Tisch und können die Tonnen-Austauschaktion besser bewerten. Letztendlich ist nicht auszuschließen, dass die Müllgebühr auch im nächsten Jahr sinkt.“ Ein schwacher Trost für Friedrich Paul. Die Stadt informierte ihn in der letzten Mai-Woche. „Schon mit der Leerung am nächsten Mittwoch stand auf einmal die neue Tonne da“, sagt er.

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