Vielen Spielhallen in Rhein-Main droht das Aus

Wegen Gesetz: Betreiber von Spielhallen zittern um Existenz

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Michael Stang, stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Münzautomaten-Verbandes, betreibt selbst elf Spielhallen in der Region.

Region Rhein-Main - In vielen Spielhallen in Rhein-Main könnten bald die Lichter ausgehen: Schuld ist das Hessische Spielhallengesetz, dessen Änderungen ab Juli gelten. Auch Michael Stang, Betreiber von elf Spielhallen, bangt um seine Existenz. Von Kristina Bräutigam

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In seinen Händen hält Michael Stang drei Din-A-4-Seiten. Darauf zu lesen: Die „Verbindlichen Ausführungsbestimmungen des Hessischen Spielhallengesetzes“. „Dieses Papier könnte unsere Branche zerstören“, sagt Stang. Der 48-Jährige betreibt elf Spielhallen in Offenbach, Frankfurt und Maintal. Ein Familienunternehmen in dritter Generation, gegründet Ende der 40er. Doch jetzt droht das Aus: Schuld sind die Änderungen des Hessischen Spielhallengesetzes, die nach einer Übergangsfrist von fünf Jahren am 31. Juli in Kraft treten und die Glücksspielsucht bekämpfen sollen.

Besonders zwei Regularien treffen die Betreiber hart: So darf sich im Umkreis von 300 Metern keine weitere Spielhalle befinden, Mehrfachkonzessionen, also mehrere Spielhallen in einem Gebäude, werden ebenfalls verboten. Wer die Voraussetzungen nicht erfüllt, verliert die Erlaubnis. „Wenn es hart auf hart kommt, muss ich neun von elf Spielhallen dicht machen“, sagt Michael Stang. 

Auch seine Spielhalle im Komm-Center, die älteste der Stadt Offenbach, steht auf der Kippe. Denn nur ein paar Meter weiter gibt es eine weitere Spielhalle, ebenfalls vor Jahrzehnten eröffnet. Welche nach Anwendung der Abstandsregel bleiben darf, könnte am Ende das Los entscheiden. Ein Unding, findet Michael Stang, der im Vorstand des Hessischen Münzautomaten-Verbandes sitzt. „Hier werden Existenzen per Losentscheid zerstört.“ Denn nicht nur sein mittelständischer Familienbetrieb stehe auf dem Spiel. Auch seine 40 Mitarbeiter würden auf der Straße landen. 

In Frankfurt droht 85 Spielhallen das Aus

Im gesamten Rhein-Main-Gebiet könnten unzählige Spielhallen verschwinden: Allein die Stadt Frankfurt rechnet damit, dass nur die Hälfte der rund 170 Betriebe übrig bleibt; in Offenbach, wo im Stadtgebiet 39 Spielhallen an 20 Standorten stehen, könnten 19 schließen. Nicht nur für die Betreiber geht es um viel Geld. 

Auch Städten und Kommunen könnten wichtige Einnahmen durch die Lappen gehen: Frankfurt nahm 2016 – inklusive der Daddelautomaten in Gaststätten – rund 16,7 Millionen Euro Spielapparatesteuer ein, die Stadt Egelsbach 850.000 Euro, Offenbach 4,6 Millionen Euro. Im Kampf gegen die Spielsucht spielen fehlende Einnahmen keine Rolle, erklärt Peter Weigand, Leiter Ordnungsamt Offenbach. „Wir vertreten die Auffassung, dass die Ziele des Gesetzes, durch eine Verringerung des Spielangebots auch eine Eindämmung der Spielsucht erreichen zu können, durchaus in die richtige Richtung gehen“. 

Hoffen auf Ausnahmegenehmigung

Michael Stang kann diese Argumentation nicht mehr hören. „Nur weil Spielhallen dicht gemacht werden, verschwinden doch die Spielsüchtigen nicht.“ Stattdessen würde in Hinterzimmern, Wettbüros oder im Internet weitergezockt – ohne jegliche Kontrolle. Stang betont, er habe in den vergangenen Jahren viel in den Spielerschutz investiert: Mitarbeiter wurden geschult, Spielsüchtige zu erkennen und auf Beratungsangebote hinzuweisen, die Einlasskontrollen sind streng. „Klar gibt es schwarze Schafe. Aber warum bestraft man die, die seit Jahren ordentlich arbeiten?“ Michael Stang setzt nun alle Hoffnungen darauf, Ausnahmegenehmigungen zu bekommen. Außerdem hat er als Musterkläger Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Stang vertritt die ganze Branche. „Eine Lobby, die für uns protestiert, gibt es ja nicht“.

Eine ganz andere Meinung haben Spielsucht-Experten. Einer erklärt im Interview, warum das Spielhallengesetz wichtig ist.

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