Der Wald wird zum Selbstbedienungsladen

Wegen steigender Energiepreise wird Holz geklaut

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Immer mehr Haushalte heizen mit Holz. Der Wald ist deshalb oft illegaler Selbstbedienungsladen.

Region Rhein-Main – Immer mehr Deutsche heizen mit Holz. Und immer mehr Privatleute bedienen sich in den städtischen Wäldern – illegal. In ganz Hessen entstand dadurch ein Schaden im sechstelligen Bereich. Im Oberurseler Wald ist der Holz-Klau dagegen kein Thema. Von Angelika Pöppel

15 Millionen Haushalte in ganz Deutschland heizen mit Holz. Durch die steigenden Energiepreise haben sich diese Haushalte innerhalb von zehn Jahren verdreifacht. Gas liegt bei den Heizmöglichkeiten immer noch auf Platz eins, aber die Erneuerbaren Energien haben deutlich aufgeholt und belegen Platz zwei. Ein Umdenken hat stattgefunden. Doch auch das kann ins Geld gehen. „Nachwachsende Rohstoffe sind ein knappes Gut. Wächst die Nachfrage, steigt auch der Preis“, sagt Michael Roland vom Dachverband der Waldbesitzer in Deutschland (AGDW).

GPS-Sender am Holz

„Brennholz erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Da wird der Wald oftmals zum Selbstbedienungsladen“, sagt Christian Münch, Leiter des Forstamts Hessen. „Die Leute schneiden sich einfach etwas raus. Und wir können nicht täglich überall präsent sein“, erklärt Münch. Jährlich entstehe dadurch in hessischen Wäldern ein Schaden im sechstelligen Bereich. Besonders Holz, dass am Wegesrand kurzfristig gelagert wird und nicht weit von öffentlichen Straßen entfernt ist, wird oft illegal aufgeladen. Den größeren Schaden richten aber Holz-Lieferanten an, die einfach mehr als erlaubt auf ihre Lkw laden. Neben verstärkten Kontrollen, durch die Förster befestigt Hessen Forst nun sogar GPS-Sender am Holz.

Im Taunus kennt zumindest der Oberurseler Förster Mathias Brand das Problem noch nicht: „Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem LKW-Ladungen voll Holz gestohlen wurden.“ Brennholz sei zwar in den vergangenen Jahren bei Privatleuten immer begehrter geworden, aber Diebstähle kann er – auch anhand von Zahlen – nicht nachweisen. Aber: „Schätzungsweise zehn Prozent mehr Holz verkaufen wir jährlich“, so Brand.

Erhöhte Preise für den Festmeter

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Auch der Frankfurter Stadtwald sei nicht betroffen. „Bei uns kommt der Holzklau nicht vor. Natürlich kann es eine Dunkelziffer geben, aber wir spüren davon noch nichts“, sagt Tina Baumann, Abteilungsleiterin des Stadtforst im Grünflächenamt. Der Anstieg an Holzkunden mache sich dagegen auch in Frankfurt seit mehreren Jahren bemerkbar. Deshalb erhöhte die Stadt bereits vor drei Jahren den Preis für einen Festmeter – Kubikmeter – von 50 auf 55 Euro. Weitere Erhöhungen seien nicht geplant. Förster Mathias Brand erhöht fast jährlich den Preis und will auch in Zukunft den Preis dem Markt anpassen. Derzeit liegen die Kosten bei 50 Euro. Aber: „Grundsätzlich ist der Wald für die Bürger da und die sollen ihr Holz auch in Zukunft noch zu einem vernünftigen Preis bekommen“, verspricht Brand.

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