Eine runde Sache!

Dürr war gestern: Hessen stehen auf dicke Hintern!

Mittlerweile ist die Begeisterung für große Hintern aus den USA hier angekommen. Männer sagen offen, dass sie auf üppige Hinterteile stehen, und immer mehr Frauen betonen ihren stattlichen Pracht-Po, anstatt ihn zu kaschieren. Foto: gpointstudio - fotolia.com

Region Rhein-Main – Vorbei sind die Zeiten der schmalen Pos. Stattdessen ist Sitzfleisch gefragt. Vorgemacht haben es die It-Girls aus den USA. Jetzt geht’s auch hier rund. Eine Bordellchefin, eine Paarberaterin und ein Schönheitschirurg berichten aus der Praxis. Von Christian Reinartz

Von wegen Männer stehen auf Modelhintern! „Das ist biologisch auch so nicht vorgesehen“, sagt Christine Janson, Paarberaterin aus Frankfurt. Frauen mit einem breiten, runden Gesäß gefielen Männern durchaus, weil damit Reize gesetzt würden, denen sie sich nicht entziehen könnten. Doch warum war davon in den vergangenen 20 Jahren nur wenig zu spüren? Statt praller Hintern galt nur als richtig schön, wer knapp am Magerwahn rangierte. „Diese Zeiten sind aber vorbei“, sagt Janson. „Amerika hat es vorgemacht, und jetzt trauen sich die Männer auch hier, frei zusagen, dass ihnen ein dicker Hintern gut gefällt.“

Bordellchefin bestätigt den Trend

Bordellchefin Tara aus Offenbach bestätigt das aus ihrem Alltag. „Wir haben hier mittlerweile einige Frauen, die einen besonders beachtlichen Hintern haben“, sagt sie. „Und das wird nachgefragt, denn Männer standen schon immer darauf.“ Auffällig sei, dass diese jetzt offenbar auch außerhalb des Bordells zu ihren wahren Vorlieben stünden. „Es ist mittlerweile salonfähig, seine Vorliebe für große Popos zu äußern.“

Das offenbar viel mehr Männer auf ordentliche Rundungen stehen, lässt auch die Frauen viel selbstbewusster auftreten. Mehr noch. Ist der Hintern nicht prall und groß genug, lassen sich immer mehr Frauen Eigenfett transplantieren oder das Gesäß aufspritzen. Für den Kelkheimer Schönheitschirurgen Volkhart Krekel ist das fast schon Alltag. „Diesen Trend ist eindeutig zu spüren.“ Immer wieder kämen Frauen zu ihm, die sich das gesäß vergrößern lassen wollten. „Im Unterschied zu den Amerikanern soll das hier aber immer nur in einem natürlichen Rahmen bleiben“, sagt Krekel. „Da sind die Mitteleuropäer konservativer.“ Krekel selbst bevorzugt am Po statt Polstern Eigenfetttransplantationen. „Die Polster sind am Hintern schon einer ganz schönen Belastung ausgesetzt“, sagt Krekel. Da könne es viel schneller zu Komplikationen kommen. Und noch etwas ist Krekel aufgefallen. „Bei Dunkelhäutigen ist der Hang zu Gesäßvergrößerungen stärker zu spüren.“

Forschung zeigt: Breite Hüften wirken attraktiver

Doch stehen Männer wirklich auf dicke Pos, oder ist das auch wieder nur ein Modetrend, wie mit dem Magerwahn der vergangenen 20 Jahre?

Rolf van Dick ist Professor für Sozialpsychologie an der Uni Frankfurt. Er weiß: „Die Forschung zeigt, dass die Vorliebe für Frauen mit breiten Hüften im Vergleich zur Taille als attraktiver wahrgenommen werden. Das ist in allen Männern evolutionär verankert.“ Dass die Mode der vergangenen Jahrzehnte ein anderen Schönheitsideal gezeichnet hat, hält er für unbedeutend. „Wir haben über hunderttausende Jahre gelernt, dass ein breites Becken attraktiv ist, daran kann ein kurzer Modetrend nichts ändern.“ Dieser könne die Vorliebe für breite Gesäße lediglich unterdrücken. Man könne das auch mit entsprechenden Tests beweisen. „Wer etwa schnell und instinktiv die Attraktivität von Frauen beurteilen soll, wird automatisch mehr fülligere Frauen wählen, als einer, der Zeit zum Überlegen hat“, sagt van Dick, denn dann greife wieder die gesellschaftliche Konvention.

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