Höhere Belastung, kaum Beförderung

Hessens Polizei: Überlastet und überfordert

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Pöbeleien, psychischer Druck und immer neue Aufgaben: Hessens Polizisten klagen über steigende Belastung und schlechte Aufstiegschancen.

Region Rhein-Main – Immer mehr Aufgaben, aber kaum eine Chance auf eine Karriere. Das belastet zunehmend die Stimmung in der hessischen Polizei. Die Gewerkschaften sehen die Landesregierung in der Pflicht, mehr Stellen zu schaffen, anstatt sie abzubauen. Von Dirk Beutel

Für Hessens Polizisten kommt´s knüppeldick. Die Arbeitsbelastung steigt, der Respekt in der Bevölkerung sinkt. Von der immer höheren Gewaltbereitschaft der Bürger ganz zu schweigen. Doch damit nicht genug, drücken zunehmend die schlechten Karrierechancen auf die Stimmung bei der Polizei.

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Der hessische Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Heini Schmitt, bringt es auf den Punkt: „Nach oben hin wird´s dünn. Es fehlen die Beförderungsmöglichkeiten. Da hat man sich schon etwas anderes vorgestellt, nach einem dreijährigen Bachelor-Studium.“ Das bestätigt Andreas Grün, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei: „Die mangelnden Beförderungschancen werden zunehmend zu einem großen Problem bei der hessischen Polizei. Viele Kollegen bleiben trotz guter Leistung ihr gesamtes Berufsleben im ersten Beförderungsamt, dem Polizeioberkommissar. Diese Erkenntnis führt bei vielen zu Verdruss und zu einer immer größer werdenden Unzufriedenheit. Dieser Umstand ist umso bedauerlicher, weil die Ansprüche an die Arbeit der Polizei immer höher werden. Gleichzeitig nimmt die Gewalt gegen die Polizei weiter zu, und die Kollegen erfahren immer mehr Respektlosigkeit im täglichen Dienst“, sagt Grün.

Polizeigewerkschaft kritisiert schlechte Karrieremöglichkeiten

Betroffen sind etwa 75 Prozent der derzeit über 13.700 Polizisten in Hessen. Doch es geht nicht nur um einen höheren Rang, sondern auch um den Wechsel in eine höhere Besoldungsstufe. Ein Problem, das durch die Einführung der zweigeteilten Laufbahn 2002 entstanden ist. Es gibt nur noch den gehobenen und höheren Polizeivollzugsdienst. Grün: „Durch die Überleitung des mittleren Dienstes in den gehobenen Dienst wurden diese Stellen alle in die Ämter Polizeikommissar und Polizeioberkommissar überführt. Danach hätte man kontinuierlich durch Stellenhebungen die Anteile der einzelnen Beförderungsstufen anpassen müssen, um eine gesunde Struktur herzustellen die den Kollegen ausreichende Chancen für eine berufliche Karriereplanung ermöglichen.“

Günter Brandt, Vorsitzender des Landesverbandes des Bundes Deutscher Kriminalbeamter kritisiert vor allem den geplanten Stellenabbau, den die schwarz-grüne Landesregierung vorsieht: „Der trifft bei uns auf wenig Verständnis. Mehr Fachpersonal an richtiger Stelle wäre der richtige Ansatz, um an anderer Stelle Ressourcen freizusetzen.“

Steckenbleiben im selben Rang - auch im Alter

So sei es keine Seltenheit, dass Polizisten im Rang eines Polizeioberkommissars, aber im Alter zwischen 45 und 55 Jahren, immer wieder zu aufreibenden Einsätzen, wie Demonstrationen oder Straßenschlachten, gerufen werden, wie ihre jungen Kollegen. „Ab einem gewissen Alter sind solche Einsätze fragwürdig“, sagt Schmitt.

Der Berufsverband und die beiden Gewerkschaften sind sich einig, dass mehr Spitzenämter zur Verfügung gestellt werden müssen. Den Anfang müsste die Hessische Regierung machen, genauer gesagt das Hessische Innenministerium, doch dort planen die Verantwortlichen im Gegenzug sogar Stellenstreichungen.

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