Ein Herz für Lebkuchen

+
Weihnachtsmarkt-Legende Tilly Till schenkt der Redaktion ein EXTRA-TIPP-Herz.

Frankfurt – Die 95-jährige Tilly Till verziert seit 60 Jahren Lebkuchenherzen auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt. Auch in ihrem hohen Alter hat sie noch ein ruhiges Händchen – und ein Herz für den EXTRA TIPP. Von Angelika Pöppel

Seit 60 Jahren steht der Stand von Familie Till in der Adventszeit vor dem Frankfurter Römer.

Mit den Herzen sagen sich die Frankfurter gegenseitig die Wahrheit“, sagt Tilly Till. Herzen mit der Aufschrift „Sparbrötchen“ und „Alter Grätscher“, was so viel bedeutet wie Nörgler, seien damals beliebt gewesen. Aber auch heute noch sind die Lebkuchenherzen Tradition. Die Aufschrift „Mama ist die Beste“ verkaufe sich in diesem Jahr besonders gut. Und den Klassiker „Ich liebe dich“ schreibt die 95-Jährige in fünf Sprachen – auf Wunsch. Zur Adventszeit sitzt die Frankfurterin jeden Tag in einem kleinen Hinterraum des Standes. Hier mischt sie die bunte Zuckercreme, füllt sie in Papiertüten, um sie dann auf den Lebkuchen zu spritzen. „Man braucht eine ruhige Hand und muss in einem Zug schreiben, ohne abzusetzen“, erklärt Till. Sie ist geübt, schließlich beschriftet sie seit 1951 Lebkuchen. Als 25-Jährige verkaufte sie mit ihrem Mann zum ersten Mal die süßen Leckereien auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt: „Wir haben uns das selbst beigebracht.“ Und auch nach dem Tod ihres Mannes vor 30 Jahren machte sie weiter. Heute unterstützen sie ihre Tochter, der Schwiegersohn und ihre Enkel.

Hilfe benötigt sie besonders bei der Vorbereitung. Vier Wochen vor Beginn des Weihnachtsmarktes bemalen sie und ihre Tochter von morgens bis abends insgesamt über 300 Herzen. Und auch während des Weihnachtsmarktes muss Till manchmal 50 Lebkuchen an einem Tag beschriften.

Doch die ganze Arbeit bereitet ihr immer noch Spaß. Da macht es ihr auch nichts aus, dass ihre kleinen Kunstwerke nicht für die Ewigkeit bestimmt sind: „Ich esse selbst auch sehr gerne Lebkuchen“, sagt Till, die aus einer Schausteller-Familie kommt. Der Frankfurter Weihnachtsmarkt und Tilly Till gehören zusammen. Deshalb will sie auch noch so lange weitermachen, wie es geht. Ihr ungewöhnlicher Name ist übrigens kein Künstlername: „Als sich mein Mann damals bei mir vorstellte, habe ich es auch nicht glauben können. Aber er hieß tatsächlich Till.“

Kommentare