Wolfram Fischer  züchtet über 65 Sorten

Dieburger züchtet über 65 verschiedene Tomaten

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Im Garten von Wolfram Fischer wachsen 65 Sorten des „Paradiesapfels“.

Dieburg – Das Herz von Wolfram Fischer aus Dieburg schlägt für Tomaten. 65 Sorten wachsen im Garten des Rentners. Der 77-Jährige hat ein großes Ziel: Er will die vergessenen, alten Sorten des Nachtschattengewächses am Leben erhalten. Von Jens Dörr

Von der Cherry-Strauchtomate hat wohl schon jeder mal gehört, von der Grinfa oder der Costoluto Genovese eher weniger. Wolfram Fischer kennt sie alle. Der Dieburger beschäftigt sich wie kaum ein anderer mit Tomaten. 65 Sorten reifen derzeit in seinem Garten, Dutzende weitere hat er bei Freunden und Bekannten anbauen lassen.

Fischer kämpft gegen die Verödung beim Anbau eben des Nachtschattengewächses. „Für viele Erzeuger ist nur noch der Ertrag ausschlaggebend“. Auf der Strecke geblieben sei oftmals der Geschmack, weil man sich zunehmend auf sehr wenige Sorten konzentriert habe. „Das sind aber nicht unbedingt die, die gut und intensiv schmecken.“

85 Prozent aller Tomatensorten gibt´s nicht mehr

Die Ernte eines Tages. In der Saison kommen bei den Fischers Tomaten täglich auf den Tisch, natürlich ganz frisch aus dem eigenen Garten.

Seit 30 Jahren widmet sich der 77-Jährige, der früher als Lehrer arbeitete, seinem Hobby. Und hat recherchiert: „In den vergangenen 50 Jahren sind 85 Prozent aller Tomatensorten verschwunden.“ Die „Berner Rose“ hat es Fischer besonders angetan. „Das ist eine Uralt-Sorte, die einfach toll schmeckt.“ Angebaut wird sie nur noch selten, weil sie eine dünne Haut besitzt und der Ertrag gering ist. Entscheidend ist der Boden: „Ich bin ständig am Experimentieren“, sagt der passionierte „Tomaten-Mann“. Zur Herstellung der Erde eigne sich am besten der Kompost der eigenen Tomaten. „Nach zwei Jahren ergibt das Laub eine tolle Erde.“

Getrockneter Pferdemist als Dünger

Beim Dünger habe er auch nach Jahrzehnten des Anbaus noch nicht der Weisheit letzter Schluss gefunden, probiere immer wieder etwas Neues aus. „Momentan teste ich getrockneten Pferdemist.“ Geerntet wird seit Anfang Juni und bei optimaler, nicht zu früh zu kalter Witterung bis Anfang November. Was im Garten wächst, sieht nicht nur toll aus, sondern duftet auch so. „In unserer Familie essen alle unheimlich gern Tomaten, ob als Salat oder Soße.“ Der Anbau nicht nur des „Paradiesapfels“, wie die Art mitunter etwa in Österreich genannt wird, habe ihn „schon immer interessiert“. Der Dieburger liebt die Spannung beim Züchten und natürlich die leckeren Gerichte, die bei den Fischers in der Tomatensaison täglich auf den Tisch kommen.

Hoffnung für größere Tomatenvielfalt besteht

Trotzdem: Das Leben eines Tomatenzüchters ist anstrengend: Im Februar wird ausgesät und umgetopft, im März und April muss er die Pflanzen immer rein- und raustragen, weil es für sie draußen nachts noch zu kalt ist. Bis zu 200 Pflanzen bewegt Fischer dann jeden Morgen und Abend. Ab Mai können die in den Töpfen wachsenden Pflanzen dauerhaft im Freien bleiben, Anfang Juni erntet der Dieburger die ersten Früchte. Bei jenen, die auch im Folgejahr im eigenen oder fremden Garten wachsen sollen, extrahiert er die Samen, trocknet sie und hebt sie in Tütchen auf. Bei weltweit mehr als 300 existierenden Sorten scheint es selbst für Wolfram Fischer utopisch, eines Tages alle durchprobiert zu haben. Zumal es nach vielen Jahren der Verödung des Anbaus Anzeichen für eine Wende zum Besseren gibt: „Man versucht jetzt zunehmend, in die Hauptertragssorten die Gene der alten Sorten einzuschleusen“, sagt er. Auf eine bald wieder größere Tomatenvielfalt auch im normalen Supermarkt besteht also etwas Hoffnung.

Und in der "essbaren Stadt Offenbach" wird geerntet!

Fotos: Gemeinsam essen in der Küche für alle  

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