Horst Becker leitet das Heimatmuseum Bergen-Enkheim

Herr über Zinnsoldaten und einen Faustkeil

Im Heimatmuseum Bergen-Enkheim lässt Horst Becker Geschichte lebendig werden – mit einem Faustkeil, 2000 Zinnsoldaten und großen Weinfässern. Von Norman Körtge

Frankfurt – Mit der detailreich erzählenden Stimme von Horst Becker im Hintergrund erwachen die mehr als 2000 Zinnsoldaten im Schaukasten zwar nicht zum Leben, aber die Schlacht von Bergen im April 1759 wird anschaulicher. Zu sehen ist das blutige Aufeinandertreffen zwischen Preußen und Franzosen im Siebenjährigen Krieg in dem Diorama im Heimatmuseum Bergen-Enkheim, das Becker selbst seit vielen Jahren leitet.

Horst Becker ist ein Vereinsmensch, studierte im Nebenfach Wirtschafts-Sozialgeschichte, hat als Berufsschullehrer eine pädagogische Ausbildung hinter sich und kann vor Menschen reden. Kurzum: Der 70-Jährige ist wie geschaffen dafür, Menschen durch das Heimatmuseum zu führen – auch wenn er gar nicht dort aufgewachsen ist. Den Großteil seines Lebens hat Becker dennoch in dem ländlichen Stadtteil Frankfurts verbracht. Vor 40 Jahren kam er der Liebe wegen aus Mittelhessen an den Main.

Gestalten wollte Becker von Anfang an. Zunächst war er auch lokalpolitisch aktiv. Doch nach der Eingemeindung Bergen-Enkheims 1977 verlor er daran zunehmend das Interesse und widmete sich mehr und mehr der Lokalhistorie, die in dem denkmalgeschützen Alten Rathaus an der Marktstraße in Erinnerung gehalten wird. 1991 übernahm Becker die Museumsleitung, nachdem sein Vorgänger und Initiator des Museums, Werner Henschke, gestorben war. Von ihm habe sich Becker viel angeeignet. „Einige seiner Führungen wurden mit Tonband aufgenommen und dann aufgeschrieben. So ist sein Wissen über die Geschichte und viele Ausstellungstücke erhalten geblieben“, sagt Becker.

Alleine über das Gebäude an sich – dessen Dachgeschoss derzeit grundlegend saniert wird und deshalb das oberste Stockwerk nicht zugänglich ist – könnte Becker schon viel erzählen. „Wahrscheinlich stand der untere Teil des Hauses schon um 1350“, berichtet er. In einer Urkunde ist erwähnt, dass damals sich der Rat der Stadt Frankfurt mit Rittern aus Kronberg dort auf neutralem Boden traf, um Streitigkeiten beizulegen.

Erstmals urkundlich erwähnt ist Bergen 1057. Dass aber schon viel länger Menschen dort lebten, bezeugen nicht nur die Funde aus der Römer- und Frankenzeit, sondern auch der Faustkeil aus der Steinzeit, dessen Original im Archäologisches Museum Frankfurt ausgestellt ist. Ein gruseliger Schauer läuft dem Betrachter beim Anblick des Scharfrichter-Schwerts über den Rücken. Genussvoller ist es im Keller, in der die Geschichte und die Werkzeuge des Weinanbaus und des Apfelweinkelterns vorgestellt wird.

Das Heimatmuseum ist geöffnet sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 20 bis 21 Uhr.

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