Chrystal Meth, Flakka oder Badesalze nicht beliebt

Heroin und Crack statt Designer-Drogen: Frankfurter Junkies sind konservativ

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Heroin ist nach wie vor die Droge, die in der Frankfurter Drogenszene alles beherrscht. Chrystal Meth und andere neuartige Drogen haben hier keine Chance.

Frankfurt – Alle Nase lang kommen neue Drogen auf den Markt. Ob Chrystal Meth, Flakka oder Badesalze. Der Trend ist klar: Immer stärker, billiger, tödlicher. Nur die Frankfurter Drogenszene hält offenbar an ihren Traditionen fest: Heroin und Crack. Designer-Drogen haben keine Chance. Von Christian Reinartz

In Berlin, Köln, Hamburg oder München – überall scheinen moderne Designerdrogen Fuß zu fassen. Selbst in Göttingen gibt es offenbar eine regelrechte Hochburg für die Todes-Droge Flex. In den USA heißt sie Flakka und gilt als einer der gefährlichsten Stoffe überhaupt. Flakka verursacht sofort schwerste Halluzinationen, Verfolgungswahn und macht fast sofort abhängig. Experten sind sicher: Flakka ist der gefährlichere Bruder von Chrystal Meth. Auch Badesalze werden reihenweise im Internet bestellt. Das sind chemische Stoffe, die mitunter extrem starke Drogentripps auslösen. Völlig unkontrolliert und oft mit tödlichem Ausgang. Vor allem in München haben diese Drogen eine festen Platz in der Junkie-Szene.

Neue Substanzen werden nicht angenommen

Doch während sich die neuen Drogen anderswo rasend schnell verbreiten, winkt man in der Frankfurter Drogenszene müde ab. Andreas Geremia, Leiter des Drogenkonsumraums Niddastraße, kennt die Gewohnheiten der Süchtigen im Bahnhofsviertel wie kein anderer: „Chrystal Meth spielt hier bei uns keine Rolle. Auch von Flakka-Konsumenten haben wir noch nichts mitbekommen. Hier hält sich nach wie vor hauptsächlich Heroin und Crack.“ Auch die Frankfurter Polizei bestätigt: Flakka sei auf dem hiesigen Markt nicht bekannt.

Bestätigt wird das von Bernd Werse vom Frankfurter Centre for Drug Research an der Uni. Er und seine Kollegen geben regelmäßig Studien zur Drogenszene heraus. Er sagt: „Die Frankfurter Drogenszene ist sehr konservativ, wenn es um neue Substanzen geht.“ Während woanders durchaus auch neue Drogen Fuß fassen, hätten die Süchtigen hier einfach kein Interesse daran. „Chrystal Meth wird hier zum Beispiel gar nicht konsumiert, geschweige denn exotische Drogen wie Flakka“, sagt Werse. Zwar hätten etwa 17 Prozent der befragten Abhängigen angegeben, irgendwann in ihrem Leben einmal Meth ausprobiert zu haben. „Die Quote von aktuellen und regelmäßigen Konsumenten liegt dagegen bei null.“

Doch warum haben die modernen Drogen in Frankfurt keine Chance?

Werse versucht eine Erklärung: „Überall da, wo der Druck der Behörden auf die Drogenszene besonders groß ist, wächst das Interesse an alternativen psychoaktiven Substanzen.“ In Frankfurt werde dagegen pragmatisch mit der Drogenproblematik umgegangen, etwa durch das gute Angebot an Druckräumen. Das verringert den Druck auf die Szene und es gibt keinen Grund auf andere Drogen auszuweichen.

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