Von Glamour, Gier und Glück: Croupier-Urgestein im Casino Bad Homburg

+
Helmut Maier lässt die Kugel rollen. Allerdings nur für das Foto. Als Spielleiter ist es nicht seine Aufgabe, die Roulette-Kugel zum Laufen zu bringen.

Bad Homburg – Durch seine Hände sind schon Hunderttausende Euro gegangen: Helmut Maier ist seit fast 36 Jahren Croupier in der Spielbank Bad Homburg. Ein Job, in dem unbändige Freude und bittere Enttäuschung oft ganz dicht beieinander liegen. Von Julia Renner

Mehrmals hatte ihn ein Bekannter gefragt, ob er nicht im Casino arbeiten wolle. Maier hatte stets verneint – und schließlich doch die Veränderung gewagt. 1976 war das. Casino – das habe damals noch etwas Glamouröses gehabt, sagt er.

Seither hat sich viel geändert. „Damals gab es den Anbau noch nicht und auch keinen eigenen Automaten-Saal.“ Dafür jede Menge Roulette- und Baccara-Tische. An denen spielten abends mehr als 1000 Gäste. Jetzt sind es an Samstagabenden höchstens noch 500.

Damals waren auch die finanziellen Zwänge anders“, sagt der 61-Jährige. Viele reiche Witwen seien es gewesen, die tagtäglich ins Casino kamen. „Das war deren Lebensmittelpunkt.“ In großer Abendrobe hätten die Damen an den Tischen gesessen, die Herren in teuren Anzügen. „Wegen der Garderobe war es ein ganz besonderes Flair,“ erinnert sich der Croupier.

900.000 Mark erspielt - und wieder verloren

Lesen Sie mehr Geschichten aus Bad Homburg:

Feinstaub gefährdet Kurstatus

Bad Homburg macht Inventur bei den Hunden

Viagra im Abwasser?

Aber nicht nur die Kleidung sei früher anders gewesen, sondern auch das Spielverhalten. 500 Mark hätten die reichen Damen früher stets dabei gehabt undverspielt. Heute komme es selten vor, dass jemand um wirklich viel Geld spiele. Doch ab und zu sind sie noch zu Gast in Bad Homburg, diese High-Roller. „Pro Spiel setzen sie etwa 3000 bis 5000 Euro,“ weiß Maier.

An einen dieser Spieler kann sich der Croupier besonders gut erinnern. „Er hatte über einen Zeitraum von mehreren Wochen viel Glück und in dieser Zeit insgesamt 900.000 Mark erspielt.“ Schließlich wollte er die Millionen-Grenze knacken – und hat am Ende alles verloren. „Das war schon mit starken Emotionen verbunden.“ Den Spieler – er kam aus Bayern – habe er danach nie wieder gesehen.

Häufiger schauen nach wie vor Prominente in der Spielbank vorbei. „Curd Jürgens war früher schon hier und auch Gunther Sachs“, sagt Maier nicht ohne Stolz. Und noch immer kommen gern Fußballer oder Schauspieler. Sicherlich auch deshalb, weil sie die Diskretion des Hauses schätzen. Denn Namen lässt sich Maier nicht entlocken.

Mehr zum Thema

Kommentare