Dank Gott sind Schmerzen weg

Heilungsgottesdienste immer populärer: Dieburger kann wieder seinen Arm heben

Dieburg/Wiesbaden – 800 Besucher verzeichnen Heilungsgottesdienste in Wiesbaden. Heinrich Schmidt ist sich sicher, dass er durch so eine Teilnahme die Schmerzen in seinem Arm verloren hat. Von Axel Grysczyk

Das war zwei Jahre lang nicht möglich: Der Dieburger Heinrich Schmidt konnte kaum den Löffel halten. Seinen rechten Arm anzuheben war unmöglich. Nach dem Besuch eines Heilungsgottesdienstes waren die Schmerzen weg.

Für viele Menschen ist es Hokuspokus, für einige Zufall, für Heinrich Schmidt ist es tiefer Glauben und ein kleines Wunder. Der 71-Jährige aus Dieburg hatte starke Schmerzen im rechten Arm und der Schulter. Regelmäßig besucht er Heilungsgottesdienste. Am 7. November war er im christlichen Zentrum in Wiesbaden. Und da passiert’s. „Ich bekam so ein Kribbeln. Plötzlich habe ich gemerkt, dass ich meinen Arm zum ersten Mal seit zwei Jahren ohne Schmerzen heben kann“, sagt Schmidt und ergänzt: „Ich habe das aber dem Prediger zunächst nicht mitgeteilt. Ich dachte, daheim werden die Schmerzen wieder kommen.“ Doch sie kamen nicht. Auch nicht am nächsten Tag, bis heute nicht mehr. Das christliche Zentrum in Wiesbaden ist eine evangelische Freikirche. In jedem ersten Samstag im Monat finden die Heilungsgottesdienste statt. Rund 800 Besucher nehmen an der dreistündigen Veranstaltung teil. Es wird gebetet und gesungen und Pastor Andreas Herrmann zitiert immer wieder aus der Bibel. Ein wichtiger Bestandteil der Gottesdienste sind aber Berichte von Heilungen. Gottesdienst-Teilnehmer kommen nach vorne und berichten, was ihnen nach einem Besuch des vergangenen Gottesdienstes positives widerfahren ist. Meist sind es aber auch Menschen, die von körperlichen Leiden direkt im Gottesdienst geheilt werden.

Schmidt ist von der Schulmedizin enttäuscht

Keine Seltenheit, das mehr als 30 Personen jeweils von ihren geheilten Leiden berichten. Heinrich Schmidt nennt es den dritten Weg. Er gehe zum herkömmlichen Arzt, zum Heilpraktiker und besuche Heilungsgottesdienste. Wobei er von der Schulmedizin mehr und mehr enttäuscht ist. „Ich gehe zum Arzt, sage, ich habe Schmerzen. Zwei Minuten später bekomme ich ein Medikament, und dann gehe ich wieder. Das war’s. Der Heilpraktiker ist wenigstens aktiv, setzt Nadeln oder trägt mit einer bestimmten Technik irgendetwas auf“, erklärt der Rentner und fügt hinzu: „In einem Heilungsgottesdienst habe ich das Gefühl, jetzt tue ich etwas.“ Und trotzdem wirke alles zusammen. Davon ist er überzeugt. Er setze nicht nur auf die Schulmedizin oder nur auf den Heilpraktiker und auch nicht nur auf den Besuch der Heilungsgottesdienste. Es sei ein Mix aus allen. Als er vor 15 Jahren Darmbeschwerden hatte, konnte ihm niemand helfen. Da ist er nach Hamburg gefahren und hat zum ersten Mal einen Heilungsgottesdienst besucht. Nach weiteren Gottesdiensten in Karlsruhe waren die Beschwerden weg. Der ehemalige Vertriebsmitarbeiter ist kein strenger Kirchengänger, aber er befasst sich – wie er sagt – mit Gott. Er betet, liest in der Bibel. Und er ist überzeugt: Mit Hoffnung und Zuversicht, Dankbarkeit und der Gewissheit, dass alles mit Gottes Hilfe passiert, baut er die entscheidende Heilungskraft für seine Genesung auf. Von Kritikern lässt er sich nicht beirren. „Ich habe am Anfang auch gedacht, das ist Scharlatanerie. Aber das stimmt nicht und kosten tut es auch nichts.“

"Wer an Grenzen glaubt, der kommt auch an Grenzen"

Eine ernste Kritikerin ist auch seine zukünftige Schwiegertochter. Sie vertritt die Auffassung, dass der Glaube an Gott ausreicht und kein Heilungsgottesdienst nötig ist. Sie muss es wissen, denn sie wird evangelische Pfarrerin. Andreas Herrmann ist der Pastor im christlichen Zentrum in Wiesbaden und Prediger in den dreistündigen Heilungsgottesdiensten. Dass was vor hunderten Besuchern in seinen Gottesdiensten passiert, sei mit dem Verstand nicht erklärbar. „Der Glaube spielt eine Rolle und die innere Ausrichtung zu Gott“, sagt er. Wunder zu erklären, sei nicht sein Ding. Und auch für Kritiker hat er sogar Verständnis. „Wer an Grenzen glaubt, der kommt auch an Grenzen“, sagt der 56-Jährige. Die Errungenschaften aus der Medizin und den Naturwissenschaften seien wichtig, der Glaube an Gott ergänzt sie aber. Für ihn ist wichtig, dass es kein Entweder-Oder gäbe. Herrmann: „Wenn’s mir schlecht geht, werfe ich mir auch eine Pille ein. Aber ich bete auch und hoffe so auf Kraft und Genesung.“ Denn Jesus sei ein tolles Gesundheitssystem. Herrmann: „Und darüber hinaus auch noch kostenlos.“ Heinrich Schmidt wird auch den nächsten Heilungsgottesdienst am 6. Februar besuchen. Schmidt: „Ich ziehe mein Bein nach. Seit Jahren kann mir kein Arzt helfen. Ich bekomme Medikamente und Physiotherapie, aber nichts hilft. Ich gehe solange in den Heilungsgottesdienst nach Wiesbaden, bis ich wieder normal gehen kann.“

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