Er heilt Kranke mit Musik

+
Absolut in seinem Element: Radio-Brinkmann-Chef Werner Lapp versprüht am Mischpult und hinter dem Mikrofon gute Laune. Abwechselnd geht zweimal pro Woche einer von sechs Moderatoren im Klinikum Offenbach auf Sendung.

Offenbach – Wer ins Krankenhaus muss, kämpft oft nicht nur mit seinen Schmerzen, sondern auch gegen die permanente Langeweile. Nicht so im Klinikum Offenbach. Zweimal in der Woche kommt dort eine besondere Medizin direkt ans Bett. Denn „Chefarzt“ Werner Lapp verabreicht seine akustischen Medikamente durch das Klinikradio Brinkmann. Von Andreas Einbock

Bunt gestreift und mit großen Aufschriften bedruckt ist die Studiotür direkt im Eingangsbereich der Klinik. „Die steht während der Sendung für spontane Besuche jedem offen“, sagt Werner Lapp. Der Otzberger ist seit 1996 im ehrenamtlichen Moderatorenteam, das ein Jahr zuvor auf Sendung ging und derzeit aus zwei Frauen und vier Männern besteht.

Routiniert bereitet Lapp die Sendung im schmalen und nur neun Quadratmeter großen Studio vor. Ein Radiokollege vom Hessischen Rundfunk, der auch fürs ZDF arbeitet, ist sein Studiogast. Akribisch prüft Lapp die Sendetechnik, zu der neben drei Mikrofonen, einem Mischpult, zwei MD- und CD-Spielern auch ein Computer und ein großer Schaltschrank zählen. „Die drei grünen Lichtstreifen sind die drei Hauskanäle. HR1 schalten wir gleich für die nächsten zwei Stunden ab“, erklärt Lapp. Etwa 300 der 1000 Patienten in den Städtischen Kliniken, schätzt der 61-Jährige, lauschen mittwochs von 18 bis 20 Uhr und samstags von 13 bis 15 Uhr ihm und seinen Kollegen, die jede Sendung mit der Titelmelodie der Miss-Marple-Krimis beginnen.

Verwaistes Studio war der Anfang

Lapp, der sonst als Versicherungskaufmann arbeitet, zieht den Regler für HR1 runter und den Schieber für Radio Brinkmann hoch – Start der 1328. Sendung. Mit einem lockeren Spruch begrüßt er seine Hörer: „Wecken sie ihre Bettnachbarn, holen sie die Nachtschwester dazu und schalten sie den Fernseher aus.“ So leicht kam‘s ihm anfangs nicht über die Lippen. „Ich hatte einen minutengenauen Sendefahrplan und war sehr nervös“, erinnert sich Lapp an seine erste Sendung. Zu der kam es durch seinen Sohn Sascha, der in der Klinik seinen Zivildienst absolvierte, das verwaiste Studio vom Vorgängerteam entdeckte und den Sender reaktivierte. Als Sascha seinen Vater Werner in dessen Funktion als Hobbyschauspieler vom Theaterclub Elmar ins Studio holte, war Lapp Senior von der Radioatmosphäre begeistert und wechselte ans Mikrofon.

Per Haustelefon Musikwünsche äußern

„Für mich ist das ein guter Ausgleich und ein schönes Hobby“, so Lapp. Gelegentlich wird das von emotionalen Momenten gekrönt. „Erst vor kurzem“, erzählt der Radiomann, „kam eine Frau ins Studio. Sie sagte ihrem krebskranken Vater, dass sie ihn liebe und er der beste Papa auf der Welt sei. Da musste ich schon mit den Tränen kämpfen.“ Auch per Haustelefon unter 3124 können Hörer Grüße und Musikwünsche an den Moderator übermitteln.

Genau diese Philosphie findet sich im Motto des Kanals wieder: „Der Sender mit der besten Medizin und dem gesunden Sound“. Lapp prägt den Grundsatz mit einem eigenen Rezept: „Ich spiele natürlich die Musik, die ich selbst gern höre. Dabei achte ich streng darauf, dass sich deutsche und englische Lieder abwechseln.“ So singen Monkees und Gitte Haenning die ersten Songs der Sendung.

Klinik und Radio arbeiten gut zusammen

Die Mischung spielt auch bei den Studiogästen und eingespielten Interviews eine Rolle. Jacob Sisters, Badesalz, Gerd Dudenhöfer, Kastelruther Spatzen, Amigos und Radiomoderatoren waren schon im Klinikfunk zu hören. Einige davon sind bei der Eröffnungsfeier des neuen Studios nach dem Klinikumzug am 12. und 13. Juni zu sehen und zu hören. „Wir arbeiten sehr gut mit der Klinik zusammen. Geschäftsführer Schmidt hat immer ein offenes Ohr für uns“, lobt Lapp die Klinikleitung, die Radio Brinkmann im neuen Gebäude ein etwas größeres Studio zur Verfügung stellt. Interessenten, die vors Radio-Brinkmann-Mikrofon wollen, können sich telefonisch unter (06162) 941314 melden.

Mehr zum Thema

Kommentare