„Pelze nähen ist keine Kunst“

Harald Glööckler über Lesevergnügen, Partynächte und Malerei

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Harald Glööckler posiert in Frankfurt neben einem seiner schrillen Acrylgemälde. Der Designer von Mode, Fußbodenbelägen und Motorrädern bewirbt aktuell sein neues Kunstbuch.

Harald Glööckler ist nicht nur Modezar: Der 50-Jährige malt Acrylgemälde, die nicht minder pompös ausfallen. Diese stellt er im Kunstbuch „Glööckler Explosion“ vor. Anlässlich der Buchmesse hat der EXTRA TIPP ihn zum Interview getroffen. Von Franziska Jäger

Stichwort Buchmesse: Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich werde ein weiteres Buch der Medici-Reihe anfangen, von denen habe ich schon sehr viel gelesen. Ich lese auch quer, immer verschiedene Bücher, nicht nur eins. Auf meinem Kindle sind immer drei, vier Bücher, die ich gleichzeitig lese. Lesen ist der schönere Film.

Sie malen seit fast 20 Jahren, warum der späte Schritt in die Öffentlichkeit?

Die ersten zwei Jahre habe ich auf Vernissagen ausgestellt. Dann wollten mein Partner und ich keine Bilder mehr verkaufen. Jetzt haben wir inzwischen 500 oder 600 Gemälde. Die Menschen sind interessiert, die Menschen möchten Bilder haben. Ich dachte mir, wenn ich Menschen eine Freude damit machen kann, dann gehe ich in die Öffentlichkeit. Und es ist ein gigantischer Erfolg, auch international. Ich habe Bilder und Bücher in die ganze Welt verkauft. Und das Kunstbuch ist jetzt eine wunderbare Fortsetzung, weil es die Gemälde und auch mich noch einmal in einem anderen Licht präsentiert.

Wie gefällt denn Ihrem Mann Ihre Kunst?

Das ist ja das Problem (lacht), er will ja nicht, dass ich sie verkaufe, weil er sie behalten will.

Wenn Sie einen toten Künstler wieder zum Leben erwecken dürften, egal ob Maler, Designer oder Schriftsteller, wer würde das sein?

Da würde ich Oscar Wilde nehmen. Und mit dem würde ich gnadenlos die wildesten Partys machen. Harald Glööckler und Oscar Wilde wären eine fantastische Mischung.

Sie sprechen sich gegen die Verwendung von Echtpelz in der Modeindustrie aus – aber darf Kunst nicht eigentlich alles?

Ja aber das ist ja keine Kunst. Einen Pelzmantel zu machen ist keine Kunst.

Mode ist also keine Kunst?

Nein, einen Mantel zu nähen ist ja keine Kunst. Ich persönlich als Designer mache keine und mache darauf aufmerksam. Ich kann nicht anders, das lässt mein Gewissen nicht zu. Aber ich verurteile andere nicht, die das machen. Aber Kunst darf – in Anführungsstrichen – schon alles, wobei man natürlich darauf achten muss, dass man bestimmte Dinge bei aller Freiheit des guten Geschmacks nicht verletzt. Es gibt ja auch diese Kunst mit den präparierten Leichen, die sehr umstritten ist. Das muss jeder selber entscheiden. Die Frage ist, ob das wirklich Kunst ist. Ich denke, das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Aber ein Pelzmantel, das ist keine Kunst. Das ist ein Kürschnerhandwerk.

Was kostet ein echter Glööckler und wo hängt man ihn am besten auf?

Das ist unterschiedlich. Die kosten ab 4000 bis 16.000 Euro und am besten hängt man ihn da hin, wo man ihn am liebsten hat. Ich habe Freunde, Kunden und Fans, die haben echte Glööckler im Ess-, im Wohn-, andere auch im Schlafzimmer. Das Wichtigste ist, dass man Freude daran hat.

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