Vor Fachpublikum

Heusenstammerin präsentiert Doku übers Sterben auf der Berlinale

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Hanna Bork hat für ihren Dokumentarfilm auch eine Totenmaske von sich anfertigen lassen. Nun hofft sie auf einen Produzenten.

Region Rhein-Main/Berlin – Mit einem Dokumentarfilm übers Sterben hat es die Heusenstammerin Hanna Bork bis zur Berlinale gebracht. Am Mittwoch stellt sie in der Hauptstadt einem Fachpublikum Ausschnitte ihres Werks vor. Ihr Ziel: Einen Produzenten finden. Von Christian Reinartz

„Fäulein Bork denkt übers Sterben nach“ – so lautet der Titel des Films. Gedreht hat ihn Hanna Bork, und das Fräulein ist sie selbst. Dabei ist die Heusenstammerin eigentlich gar kein Fräulein mehr, sondern eine Frau, die geheiratet und ein Kind hat. Das Fräulein hat sie trotzdem im Titel gelassen. „Weil’s passt“, wie sie sagt.

Warum eine junge Frau mit 35 übers Sterben nachdenkt? „Ich bin mal auf der Intensivstation gelandet“, sagt Hanna Bork. „Danach war ein ganzes Jahr nicht klar, ob nochmal etwas passiert. Das hat mich dazu gebracht, mich mit dem Sterben auseinanderzusetzen.“

Ursprünglich nur für die Diplomarbeit

 Bork wählt das Thema für ihre Dimplomarbeit an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung aus. Sie beantragt Fördergelder, bekommt sie bewilligt.

Mit einem Filmteam und einer professionellen Filmausrüstung im Gepäck macht sie sich auf eine Reise, die sie durch ganz Deutschland bis in die Schweiz führt. Immer auf der Suche nach Menschen, die sich mit dem Tod auseinandersetzen, die Fräulein Bork Auskunft geben können, wie das so ist mit dem Sterben.

Sie macht Station in Berlin bei Bernd Boßmann, dem Betreiber eines Friedhofscafes, unterhält sich in Kassel mit dem stellvertretenden Leiter des Museums für Sepulkralkultur, besucht den mittlerweile verstorbenen Fritz Roth, der in Bergisch-Gladbach seinen eigenen Friedhof nach eigenen Regeln betreibt, einen Friedwald-Förster und den schweizer Naturbestatter Dietmar Kapelle. Und die Leiterin des Offenbacher Friedhofs, Gabriele Schreiber, begleitet sie mit der Kamera in eine Gruft.

Doku wie ein Roadmovie

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Während Filme zum Thema meist im sachlichen Reportagestil daherkommen, mit Kamerschwenks über Friedhöfe, unterlegt mit Klaviermusik in Moll, ist Fräulein Borks Reise ein echtes Roadmovie geworden. Zurückhaltend, stimmungsvoll, leise, aber immer auf den Punkt. Alles untermalt mit einem fast fröhlichen Musik-Thema, das in seiner Einfachheit einen Widererkennungswert hat. Und Lust macht auf weitere Fräulein-Bork-denkt-nach-Folgen .

Fräulein Bork versteht sich mit ihren Gesprächspartnern. Aus der Filmemacherin wird eine Protagonistin, die selbst auf der Suche ist. Die einen Teil ihrer Geschichte dem Zuschauer verrät, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Damit macht sie ihre Arbeit authentisch und hat nicht zuletzt deswegen von ihren Professoren 40 Minuten für ihren Diplomfilm bewilligt bekommen. Erlaubt sind sonst nur 30.

 

Trailer: „Fräulein Bork denkt übers Sterben nach“

Mit ihrem Dokumentarfilm übers Sterben hat es die Heusenstammerin Hanna Bork bis zur Berlinale gebracht.

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Bork reicht das aber nicht: „Ich habe soviel Material gedreht“, sagt sie. „Ich will daraus unbedingt einen 90-minütigen Film machen.“

Auf der Berlinale wird sie nun am kommenden Mittwoch Ausschnitte ihres Films einem Fachpublikum vorstellen. „Das ist für mich sehr wichtig, da ich so vielleicht einen Produzenten finde, der mit mir den Film machen will.“

Mehr Informationen zum Film und zu Fräulein Bork gibt’s auf www.kopflichter.de.

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