Mit dem Handy auf Pilzsuche

Der Tod im Waldboden: Pilzvergiftungen nehmen zu

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Kennt sich aus: Dietmar Krüger vermittelt sein Wissen rund um das Thema Pilze gerne weiter.

Region Rhein-Main – Für Steinpilze, Pfifferlinge und Co. zieht es Pilzesammler besonders im Herbst wieder in den Wald. Weil viele dabei zu leichtsinnig sind, nehmen die Pilzvergiftungen zu. Von Fabienne Seibel 

Durch den nassen Sommer in diesem Jahr gibt es für Pilzesammler eine hohe Ausbeute. Doch das hat auch seine Schattenseite, denn die diesjährige Pilzsaison bringt eine Rekordzahl an Vergiftungen mit sich. Die Giftnotrufzentrale Mainz, zuständig für Hessen und Rheinland-Pfalz, meldet, dass es bereits 300 Fälle gab. Das ist doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Dietmar Krüger, Pilzsachverständiger aus Offenbach, sagt: „Die Leute sind beim Pilzesammeln viel zu leichtsinnig und überschätzen sich selbst.“ Auch er bekommt immer wieder mit, dass auf eigene Faust und ohne das nötige Wissen Pilze gesammelt und gekocht werden. „Es gibt mittlerweile sogar Apps für das Smartphone, die bei der Unterscheidung von giftigen und ungefährlichen Pilzen helfen sollen“, sagt Krüger. „Darauf darf man sich auf keinen Fall verlassen. Einen Pilz darf man niemals mit einer App bestimmen, denn es gibt viele Pilzunterarten die mitunter giftig sind und zu Verwechslungen führen können. Das kann im schlimmsten Fall das eigene Leben kosten“, führt Krüger aus.

Organversagen durch Gift

Vor allem der Grüne Knollenblätterpilz führt in Deutschland häufig zu Vergiftungen. Er sieht dem harmlosen Champignon teilweise zum Verwechseln ähnlich. Krüger erklärt: „Das Gift des Pilzes macht die Leber kaputt. Nach dem Verzehr bekommt man zunächst Magen-Darm-Probleme. Diese klingen nach ein paar Tagen ab, doch dann schießen die Leberwerte ins Tausendefache.“ Eine lebensgefährliche Situation, in der es auf Stunden ankommen kann. „Wird das Gift dem Körper nicht schnell genug entzogen, kommt es zu Organversagen, und man benötigt innerhalb von ein paar Tagen eine neue Leber, die viele nicht rechtzeitig bekommen“, Krüger weiter.

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Um solche Schicksale zu vermeiden, gibt Krüger sein Pilz-Wissen an andere weiter. Bei seinen Pilzlehrwanderungen kann man mehr über essbare und giftige Pilze, sowie über deren Aufbau und Erkennungsmerkmale erfahren. Das Interesse am Pilzesammeln hat laut Krüger stark zugenommen. „Besonders in Süddeutschland hatten die Leute lange Zeit Angst davor, dass die Pilze wegen der Tschernobyl-Katastrophe radioaktiv belastet sind. Diese Angst nimmt ab“, sagt er. Trotzdem rät Krüger: „Bei bis zu 6000 Pilzarten, die es bei uns gibt, kann man nicht einfach blindlings losgehen und Pilze sammeln, die man meint zu erkennen oder im Korb landen, weil sie gut duften.“

Infos rund um das Thema Pilze gibt‘s bei Dietmar Krüger im Internet auf www.derpilzberater.de oder per E-Mail an derpilzberater@gmx.de.

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