Verband rechnet zu Weihnachten mit Wachstumsraten

Hessen haben wieder Lust aufs Kaufen

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Das Weihnachtsgeschäft läuft für den stationären Handel im Rhein-Main-Gebiet gut.
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Die Einkaufsstraßen in den Städten sind kurz vor Weihnachten wieder voll. Aber wie steht es um die Kauflaune der Kunden? Friedrich Wagner, Präsident des Hessischen Handelsverbandes, verrät, wie die Stimmung bei den Geschäften kurz vor Heiligabend ist. Von Dirk Beutel

Herr Wagner, wie groß ist die Kauflaune bei den Kunden?

Die hat bereits mit dem zweiten Adventswochenende begonnen und hat sich am vergangenen Wochenende noch einmal verstärkt. Daher habe ich gute Hoffnungen, dass der Einzelhandel in Hessen die von mir prognostizierte Wachstumssteigerung von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr übertreffen wird. Vor allem wieder in den klassischen Sortimenten Bücher und Elektronik. Bei Spielwaren ist es sogar so, dass der Handel in den letzten drei Monaten des Jahres 60 Prozent seines Jahresgeschäfts macht.

Gilt das auch speziell für das Rhein-Main-Gebiet?

Dort rechnen wir sogar mit einer Steigerung zwischen 2,6 und 2,9 Prozent. Das Rhein-Main Gebiet ist traditionell ein Kundenmagnet, nicht nur Frankfurt, auch Hanau oder Offenbach. Zumal die Städte auch ihre Infrastrukturen attraktiver und moderner gestaltet haben. Und das zieht auch die Kunden wieder dorthin.

Welche Faktoren sind außerdem für die gestiegene Shopping-Lust zu Weihnachten verantwortlich?

Natürlich die sehr geringe Inflation. Aber auch die Tatsache, dass wir in Deutschland nahezu eine Vollbeschäftigung haben, spielt eine große Rolle. Dazu kommt, dass es zuletzt in einigen Branchen zu Gehaltserhöhungen gekommen ist.

Spüren die stationären Händler den Konkurrenzdruck aus dem Internet?

Den gibt es, den spürt der stationäre Handel auch. Aber er verläuft sehr differenziert. Der Druck ist vor allem im Buch- und Elektronikgeschäft, sicher auch im Bekleidungssektor etwas stärker. Aber der Internethandel macht insgesamt unter zehn Prozent vom Gesamthandel aus und er hat im Augenblick eine geringere Steigerung zum Vorjahr. Das hat jetzt nicht direkt mit dem Weihnachtsgeschäft zu tun, sondern das zeichnet sich durch das gesamte Jahr ab.

Die traditionellen Geschäfte haben also wieder Boden gutgemacht?

Zum Beispiel hat sich Karstadt verändert und neu aufgestellt, bei Kaufhof weiß man es noch nicht, aber dort hat man auch einiges vor. Die Kaufhäuser insgesamt haben erkannt, dass sie ihr Sortiment den jeweils örtlichen Gegebenheiten anpassen müssen.

Wie schneiden da die kleineren Familienbetriebe ab?

Die kleinen Privaten haben hervorragende Entwicklungen gemacht. Nehmen Sie das Kaufhaus Weyrauch in Bad Nauheim, in Bensheim das Kaufhaus Ganz, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wenn sich die Händler bewusst sind, dass sie etwas tun, auf veränderte Kundenwünsche reagieren müssen, dann funktioniert das auch. Der Kunde will die Ware sehen, er will sie anfassen und ausprobieren. Und genau hier liegen die Stärken des stationären Handels.

Welche Bereiche wurden außerdem an Kundenwünsche angepasst?

Nicht nur das Sortiment, auch der Service ist ein entscheidendes Pfund, mit dem der traditionelle Handel wuchern kann und muss. Aber auch die sogenannte Multi-Channel-Funktion muss weiter forciert werden. Heißt: Seine Waren zusätzlich im Internet anbieten. Ein Beispiel aus Frankfurt: Lederwaren Stoll nahe der Zeil, der inzwischen über seinen Laden etwa 70 Prozent seiner Geschäfte online abwickelt.

Gibt es spezielle Produkte, die dieses Jahr besonders gefragt sind?

Tatsächlich sind Staubsaugerroboter in diesem Jahr ein großes Thema, ebenso wurde bislang sehr viel für Beleuchtung und Häuserschmuck investiert. Und Fernseher sind auch sehr gefragt, wahrscheinlich hängt das mit der Fußball-Europameisterschaft 2016 zusammen.

Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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