Cyber-Diebe knacken Sicherheitsprotokolle zahlreicher Bankkarten

45 Millionen Dollar erbeutet: Sind die Hacker Vorbild für Nachahmer?

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Vermutlich der größte Bankraub im 21. Jahrhundert: Mit einer groß angelegten Cyber-Attacke erbeutete eine Bande 45 Millionen Dollar. Der eigentlich Coup dauerte nur ein paar Stunden.

Region Rhein-Main – Um die 45 Millionen Dollar (etwa 34 Millionen Euro) ergaunerten Hacker mit Bankkartendaten. Sie wurden zwar geschnappt, aber war diese Gruppe ein Weckruf für andere Cyber-Diebe? Von Dirk Beutel

Die Hacker haben die Sicherheitsprotokolle zahlreicher Bankkarten geknackt, hoben das Limit für Abhebungen auf und gingen danach auf große Raubtour.

Cyberkriminalität liegt im Trend. Das bestätigt auch die neueste Version der Kriminalitätsstatistik des Bundesinnenministeriums. In Deutschland wurden vergangenes Jahr 64.000 Fälle gemeldet. Rekord! Eine Steigerung um 7,5 Prozent zum Vorjahr.

PIN-Nummern ausspioniert

Für internationales Aufsehen hat vor Kurzem der Raubzug einer Cyber-Bande gesorgt, die um die 45 Millionen Dollar erbeutet hat. Die Masche: Sie nutzten die Sicherheitslücken bei Geldkarten mit Magnetstreifen. Über Monate spionierten sie PIN-Nummern von Bankkunden aus, dann hackten sie die Daten von Kreditkarten und hoben die Grenze für Bar-Abhebungen auf. Die gestohlenen Daten wurden auf beliebige Magnetkarten kopiert. Danach ging es auf Beutezug: 26 Länder waren betroffen. Die Millionen wurden innerhalb weniger Stunden abgebucht.

Hacker werden zur Sicherheit in Darmstadt ausgebildet

An der Technischen Universität in Darmstadt werden seit Jahren Hacker ausgebildet. Zur Sicherheit. Die Idee: Wissen, wie man Netzwerke verteidigt und wie man sie angreift. „Es ist entscheidend, die Strategien von Kriminellen zu kennen, um auf sie effektiv reagieren zu können und vorbereitet zu sein“, sagt Erik Tews. Er unterrichtet derzeit den Kurs Hacker-Contest. Ein praktisches Seminar für IT-Sicherheit.

Informationssammlung, Netzwerkabsicherung, Kryptografie, Forensik. Das alles sind Bestanteile des Kurses. Wirtschaftsunternehmen sind sehr an den Absolventen interessiert. Vor allem Bankinstitute. „Das Einkommen der Banken entsteht doch am Computer, deshalb investieren die Institute viel in die Sicherheit“, sagt Tews: „Stellen sie sich mal vor, einer Bank gehen durch Hacker die Daten aller Kunden abhanden. Eine Katastrophe.“ Und das scheint wohl auch immer noch nötig, wenn man an die globale Cyber-Attacke vor ein paar Tagen denkt. Allerdings war der Aufwand zu immens, wie Tews findet. „Schließlich waren eine Menge Leute an der Aktion beteiligt.“ Ein potenzielles Sicherheitsproblem für die Gauner.

Aber auch wenn die dreisten Cyber-Ganoven geschnappt wurden, hat ihre Tour zumindest vorhandene Sicherheitslücken bei Banken offenbart. Ein Weckruf für andere Hacker? „Nein, allein, dass die Kriminellen an Bankautomaten das Geld abgehoben haben, hinterlässt reale Spuren. Das war einer ihrer wesentlichen Fehler.“

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