Haarschnitt fürs Selbstbewusstsein

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Friseurin Isabell Markolf schneidet im Aufenthaltsraum im Haus St. Martin am Autoberg die Haare eines Kunden.

Hattersheim – Sie haben kaum Geld, mitunter nicht einmal einen festen Wohnsitz und wollen dennoch gepflegt aussehen: Einmal im Monat können sich Obdachlose und Hartz-IV-Empfänger für zwei Euro die Haare schneiden lassen. Friseurmeisterin Isabell Markolf bietet diesen besonderen Service an. Von Julia Renner

Das Angebot hat wie eine Bombe eingeschlagen und sich verbreitet wie ein Lauffeuer“, sagt Klaus Störch, Leiter des Hauses St. Martin am Autoberg. Vor anderthalb Jahren fing Friseurin Isabell Markolf an, sich um die Haarschnitte der Ärmsten zu kümmern. Mit dabei ist auch ihr Lebensgefährte René Poertner.

ené Poertner schneidet Markus nicht nur die Haare, sondern stutzt auch den Bart.

Dessen Bruder war es, der die beiden überhaupt auf die Idee brachte, für einen eher symbolischen Betrag von zwei Euro Haare im Caritas-Haus St. Martin zu schneiden. „Am Anfang war alles noch ein bisschen verhalten“, sagt die 25-jährige Friseurmeisterin. „Wir mussten uns erst kennenlernen.“ Mittlerweile wird beim Haareschneiden nicht nur über das Wetter gesprochen.

So erzählt die Hattersheimerin Silke, dass es bei ihr bergauf geht. Bis Februar war sie obdachlos, jetzt lebt sie im betreuten Wohnen. „Früher war ich nur beim Frisör, wenn ich es mir leisten konnte“, sagt sie. „Ich musste jeden Cent zusammenhalten.“ Umso mehr freut sie sich über dieses Angebot. „Das ist einfach phänomenal. Ich fühle mich danach auf jeden Fall wohler.“ Und genau das will Markolf auch bewirken. „Der Haarschnitt ist gut fürs Wohlbefinden und soll das Selbstbewusstsein stärken,“ sagt die Inhaberin des Salons „Grüne Welle“ in Hattersheim.

Mindestens drei Stunden lang schneiden und rasieren Markolf und ihr Lebensgefährte, wer einen Termin später am Tag möchte, muss einfach nur früh genug Bescheid sagen. „Es macht uns wirklich Spaß“, sagt die 25-Jährige. Und hin und wieder wird sie mit mehr Geld überrascht, als sie verlangt: „Manche zahlen das Doppelte. Es ist erstaunlich: Die, die am wenigsten haben, geben oft am meisten.“

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