Guerilla-Gärtner machen City grün

+
Einer der Frnakfurter Guerilla-Gärtner.

Frankfurt – Es herrscht Krieg im Gallusviertel. Vermummte Gestalten ziehen gegen grauen Asphalt, Teer und Beton in den Kampf. Guerilla-Gärtner nennen sich die geheimnisvollen Kämpfer, die nachts den Großstadtdschungel bepflanzen. Ihre Waffen: Blumen, Erde und Schaufel. Von Mareike Palmy

Sonnenblumen auf der Berliner Straße, Tulpen auf den Verkehrsinseln der Friedberger Landstraße oder die Pflanzkübel an der Koblenzer Straße – jedes graue Fleckchen Frankfurt hat das Potential für eine grüne Oase. Und das nutzen die Guerilla-Gärtner aus.

Der Trend, die Städte zu begrünen, heißt ursprünglich „Guerilla Gardening“ und kommt eigentlich aus New York. Mittlerweile ist der Pflanzboom auch hier angekommen. In Nacht-und-Nebel-Aktionen bepflanzen Blumen-Liebhaber aller Altersklassen brachliegende, triste Flächen und wollen so nicht nur ihre Stadt verschönern. Die internationale Bewegung hat einen politischen Hintergrund. Für viele Aktivisten ist „Guerilla Gardening“ Mittel zum politischen Protest und zivilen Ungehorsam.

Immer mehr grüne Kämpfer in Frankfurt

In den vergangenen Jahren hat die ehemals kleine Bewegung weltweit enormen Zulauf erfahren. Auch in Frankfurt gibt es immer mehr grüne Kämpfer. Über das Internet verabreden sich die Blumen-Aktivisten. Und das liest sich dann so: „Heute Abend, 19.00 Uhr, am Schweizer-Platz, Ecke Oppenheimer Straße, vor der Apotheke. Wir machen einen kleinen Spaziergang und pflanzen in Sachsenhausen!“

Bewaffnet mit Samen, Handschuhen, Wasser, Blumenerde, Schaufeln und Harken ziehen sie los. Ihre Spezialwaffen: So genannte Seedbombs, zu deutsch Samen-Bomben.

Sie erleichtern das begrünen der vielen grauen Flächen: „Diese Samenbomben sind eine einfache Lösung, um das Saatgut vor Vögeln oder Trockenheit zu schützen“, erklärt der 28-jährige Daniel aus dem Gallusviertel, der bereits seit zwei Jahren mit Freundin Lisa-Brigitte und Kumpel Marcel die Stadt begrünt. „Seedbombs kann man ganz unauffällig beim vorbeigehen an öden Stellen platzieren. So geht‘s ganz schnell mit der Bepflanzung“, erklärt er seine Taktik. In der Schweiz gibt es die Blumen-Granaten sogar schon im Versandhandel.

Beflanzungsaktionen sind in Deutschland illegal

Obwohl nichts zerstört wird, sind die Bepflanzungsaktionen in Deutschland illegal. Denn das Wild-Gärtnern ist verboten. „Reißt man Steine raus oder schädigt Dinge in ihrer Substanz, so wird das als Sachbeschädigung gehandelt und an die Polizei weitergegeben“, warnt Ralph Rohr vom Ordnungsamt der Stadt. Dieser Straftatbestand könne mit Geld- und sogar Haftstrafen geahndet werden.

Dem Grünflächenamt Frankfurt sind die Guerilla-Gärtner dagegen kein Dorn im Auge: „Bisher gab es nur Einzelfälle“, berichtet Bernd Roser vom Grünflächenamt in Frankfurt. Er gibt zu bedenken: „,Guerilla Gardening‘ ist im Prinzip nicht falsch gedacht. Doch bei der Stadtbepflanzung müssen auch fachliche Aspekte berücksichtigt werden. Wir würden es nicht begrüßen, wenn plötzlich Gemüsebeete in historischen Parkanlagen auftauchen!“

Kommentare