Hofheim: Theater gegen Karriere

Filme schauen gehört zu ihrem Beruf

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Gudrun Winter hat alle Hände voll zu tun, einen großen Teil der Kurzfilme für dieses Jahr hat sie aber schon gesichtet. Infos unter www.kurzfilmfestival.de.

Hofheim – Theater und Film faszinieren die Hofheimerin Gudrun Winter. Die Betriebswirtin kündigte vor einigen Jahren ihren Job als Geschäftsführerin und orientierte sich neu. Von Ingrid Zöllner

Sie bildete sich fort und besuchte des Theater und Filminstitutes Lee Strassberg (unter anderen gehören Robert De Niro, Al Pacino und Franka Potente zu den Absolventen) in New York. Zurück in Deutschland gründete sie mit ihrer Freundin Jutta Feit das Kurzfilmfestival Hofheim, das dieses Jahr zum elften Mal stattfindet.

Mehrere Kisten mit DVDs stehen im Arbeitszimmer. Gudrun Winter hat sie fast alle gesichtet, einige muss sie sich noch vorknöpfen. Aus rund 1000 Filmen wählt die Hofheimerin 100 aus, die beim Festival gezeigt werden. Pro Abend sind es im Schnitt sieben Kunstwerke, die zu sehen sind. „Es gibt zu Beginn und zum Schluss immer eine Komödie, damit die Leute mit einem Lächeln nach Hause gehen“, erzählt sie. Rund 9000 Besucher haben im vergangenen Jahr das Festival besucht. Sie wählen per Stimmzettel ihren Favoriten aus, der dann Chancen auf einen der Preise hat. „Mancher Besucher schreibt auf diese Zettel, wie toll er das Festival findet. Das ist für uns immer ein schönes Feedback“, sagt Winter.

Sicherer Job gegen Theater eingetauscht

Die Hofheimerin hatte vor mehreren Jahren ihren Job als Geschäftsführerin eines Konzerns aufgegeben. „Das ist mir zu viel geworden, weil ich damals noch ein kleines Kind hatte“, sagt Winter. Sie suchte nach einer Alternative, lernte erst Französisch und überlegte sich, Sachbücher zu schreiben. Eine Freundin brachte sie auf die Idee, Theater zu spielen. „Bei Vorträgen habe ich immer gedacht, dass ich einen Rhetorikkurs bräuchte, warum dann nicht Theaterspielen?“, erzählt Winter. Sie gründete 1998 per Annonce eine Gruppe mit 20 Teilnehmern. Winter wollte jedoch mehr, war schließlich in mehreren Gruppen aktiv und belegte Schauspielseminare in Frankfurt. „Ich wollte das Ganze professionalisieren. Daher habe ich mich bei der Schauspielschule Lee Strassberg in New York beworben“, sagt die Festivalleiterin. Für ein halbes Jahr ging es 2001 in die USA. Die Hofheimerin hatte dort auch mehrere kleine Engagements, unter anderem als Statistin in „The Sopranos“.

Zurück in Deutschland belegte sie Seminare für Filmproduzenten und Regisseure. Dabei entstand der Kurzfilm „Quitt“, den sie an die FWU (Filme für Wissenschaft und Unterricht) verkaufte. „Der wurde auf Festivals von Moskau bis Los Angeles gezeigt. Als er in Deutschland präsentiert wurde, war ich maßlos enttäuscht“, erinnert sich die Hofheimerin. Das Festival war schlecht beworben, es hakte an der Organisation, die Auswahl und das Niveau der anderen Filme war bescheiden. „Meine Freundin Jutta Feit und ich haben beschlossen, dass wir das besser können.“ So riefen sie das Hofheimer Kurzfilmfestival „Shorts at Moonlight“ ins Leben, das nur ein halbes Jahr später erfolgreich anlief. Im zweiten Jahr gründeten sie den Verein, der inzwischen aus 30 Mitgliedern besteht. Längst ist das Festival über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Dieses Jahr findet es vom 17. Juli bis zum 11. August wieder in Höchst, Hofheim und Mainz statt.

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