Grusel-Monster lutschen Luther

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Süßes oder Saures? Halloween spielt bei vielen eine größere Rolle als der Reformationstag.

Taunus – Halloween contra Reformationstag. Das war einmal. Die Protestanten im Taunus gehen mit dem importierten Grusel-Brauch am Gedenktag ganz gelassen und zuweilen mit einem Augenzwinkern um. Von Norman Körtge

„Süßes oder Saures?“ Mit dieser Frage werden kleine und große Ungeheuer, Geister und andere Schreckensgestalten am Montag, 31. Oktober, auch im Taunus wieder von Tür zu Tür ziehen, um Halloween zu feiern und Süßigkeiten einzuheimsen. Dass an diesem Tag evangelische Christen den Reformationstag feiern, wissen viele gar nicht. Doch die wenigstens Protestanten ärgern sich noch darüber. Sie haben vielmehr den Spieß herum gedreht. Zum Beispiel mit Luther-Bonbons.

Gleich mehrere Tüten davon hat Hans Genthe, Öffentlichkeitsreferent des Dekanats Kronberg, im Schrank. „So kann die Popularität von Halloween genutzt werden, um an Martin Luther zu erinnern“, sagt er. Denn der Augustinermönch, dessen Konterfei auf dem Bonbon-Papier abgedruckt ist, war es, der an eben jenem Oktobertag im Jahr 1517 die 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt haben soll, um öffentlich gegen den von der Kirche betriebenen Ablasshandel aufzubegehren. Die Reformation und damit die Spaltung der Kirche nahm ihren Lauf.

Das muss sich an der Kirche ändern

Hans Genthe mit den Luther-Bonbons.

Die evangelische Kirchengemeinde in Flörsheim hat sich auch eines Halloween-Symbols bemächtigt. Den Kürbis. Aber nicht mit einer reingeschnitzen Grimasse, sondern als Kürbiscremesuppe. Bei der dortigen „Church Night“ am Montagabend kann auch jeder seine eigene These anschlagen. Thema: „Was sich an der Kirche ändern muss.“ Damit wird das protestantische Erbe hoch gehalten. „Zweifeln ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht“, sagt Genthe. Dazu gehöre aus theologischer Sicht auch die Auseinanersetzung mit seinen persönlichen Ängsten – ganz ohne Gruselmonster.

Anstatt mit dem erhobenen Zeigefinger zu mahnen, ist auch Jens-Markus Meier vom Dekanat Hochtaunus darum bemüht, eher die Leistung Martin Luthers zu würdigen und verweist auf die ausgerufene Lutherdekade, die im Jahr 2017 mit ihrem Höhepunkt und der 500 Jahrfeier zur Reformation endet. Auch für ihn ist der Reformationstag ein Tag der Selbstbesinnung. Dieser wird in den Kirchengemeinden unterschiedlich begangen. Neben Gottesdienst gibt es verschiedene Veranstaltungen. Bereits am Sonntag, 30. Oktober, präsentiert die Kirchengemeinde Oberstedten um 18 Uhr in der Kirche das Musical „Wenn Engel lachen“, in dem es um die Nonne Katharina von Bora geht, die später Martin Luther heiratet. In der Kreuzkirche in Oberursel wird ab 19 Uhr an langen Tischen und bei Kerzenlicht und Musik gespeist. Pfarrer Ralf Fettback als Luther und Pfarrerin Cornelia Synek als Katharina von Bora unterhalten mit berühmten Tischreden.

Auch in der Unionskirche in Idstein geht es deftig zu. Dort wird nach dem Reformationsgottesdienst (19 Uhr) zum Luther-Stammtisch gebeten. Zu trinken wird es Luthers Lieblingsbier geben – echtes Einbecker.

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