Ben-Gurion-Ring: Vom Leben und Lieben am Bügel

Grün-Oase statt Hochhaus-Hölle

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Herbert Habermehl spaziert gerne durch den Park im Ben-Gurion-Ring.

Frankfurt – Mittwochnachmittag, die Sonne scheint. Auf dem kleinen Weiher zieht eine Enten-Familie still ihre Kreise. Ein paar Meter vom Ufer entfernt lebhaftes Kindergeschrei auf dem Klettergerüst des Spielplatzes. Neben dran auf der Schaukel sitzt ein etwa 14 Jahre altes Mädchen neben einem gleichaltrigen Jungen. Sie schauen sich verliebt in die Augen. Eine junge Frau schiebt eine im Rollstuhl sitzende Rentnerin behutsam durch den idyllischen Park. Alltag in der Hochhaus-Siedlung amBen-Gurion-Ring, die in den vergangenen Woche wieder einmal in die Negativ-Schlagzeilen geriet. Von Norman Körtge

Sie setzen sich für ein schönes Wohnen am Bügel ein: Werner Waniek (von links), Erika Zivko und Herbert Habermehl.Sie setzen sich für ein schönes Wohnen am Bügel ein: Werner Waniek (von links), Erika Zivko und Herbert Habermehl.

Werner Waniek lebt seit mehr als 30 Jahren am Ben-Gurion-Ring. Er hat den Verfall des Viertels in den neunziger Jahren erlebt. Vandalismus und Kriminalität prägten die Gegend am Bügel, wie die kleine Erhebung heißt. Er hat dagegen angekämpft. Mit einer Bürgerinitiative, die all die Probleme schonungslos aufzeigte und Druck auf Politik und Wohnungsbaugesellschaften ausübte. Mit Erfolg. Die Vandalismusschäden wurden behoben, Schmierereien an Hauswänden gibt es kaum noch. Die Wohnanlagen wirken innen und außen gepflegt. „So viel Grün wie hier gibt es in kaum einer anderen Wohnanlage“, sagt Waniek.

Doch innerhalb kürzester Zeit hat es eine Gruppe von etwa zehn bis 15 Jugendlichen und jungen Erwachsenen geschafft, dass ganze Viertel und vor allem den Stadtteil Bonames in ein schlechtes Licht zu rücken.

Brennpunkt war die U-Bahnstation Bornheim-Mitte unterhalb des Ben-Gurion-Rings. Dort gab‘s Randale, dort wurde eine U-Bahn-Fahrerin angegriffen. Massive Polizeipräsenz war die Folge.

Hochhäuser am Ring.

Wanieck und seine Mitstreiter bei der Bürgerinitiative, Erika Zivko und Herbert Habermehl, wollen gar nicht beschönigen, dass es auch Probleme und unschöne Anblicke wie Dutzende von Parabolantennen an den Balkonen gibt und die Einkaufsmöglichkeiten besser sein könnten. Aber: „Hier leben mehr als 7000 Menschen“, sagt Waniek und macht das Zahlenverhältnis zwischen der auffälligen und unauffälligen Gruppe deutlich. Auch sei es falsch, alles auf Bonames zu fokussieren. Denn der Großteil des Ben-Gurion-Rings gehört zu Nieder-Eschbach. Die meisten Bewohner würden die Station Bonames-Mitte benutzen. Wie eben auch die paar kriminellen Jugendliche, so Waniek.

Zurück in der von den Hochhäusern eingefassten grünen Oase mitten im Ben-Gurion-Ring. Die Entenfamilie wärmt sich am Ufer in der Herbstsonne, das Mädchen und der Junge schlendern Hand in Hand die Anhöhe zur St.- Lioba-Kirche rauf – Alltag in der Siedlung am Bügel.

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