Bürger-Kampf gegen Windrad-Monster

Groß-Umstadt - Hoch über dem Groß-Umstädter Ortsteil Raibach, auf dem Binselberg, drehen seit 1999 zwei Windräder unaufhörlich mit einem zischenden Geräusch ihre Kreise. Knapp 100 Meter ragen sie jeweils in die Höhe, wenn ein Rotorblatt senkrecht steht.

Kein schöner Anblick, den der UNESCO-Geopark Bergstraße-Odenwald an dieser Stelle bietet. Daran haben sich die Raibacher notgedrungen gewöhnt.Aber jetzt möchte die Betreibergesellschaft zwei weitere, gigantische Windräder dazustellen. Höhe: Fast 180 Meter. Den Antrag dazu hat die "Windpark Binselberg GmbH" bereits beim Regierungspräsidium Darmstadt gestellt. Da es sich beim Binselberg um eine im Regionalplanentwurf ausgewiesene Vorrangfläche für Windkraft handelt, wird ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren durchgeführt. Das heißt: Keine Bürgerbeteiligung.

"Es fehlt nur noch die Stellungnahme von Groß-Umstadt", sagt Dieter Ohl vom Regierungspräsidium. Bisher seien diese positiv, so dass mit einem zügigen Verfahrensabschluss gerechnet wird.Groß-Umstadts Bürgermeister Joachim Ruppert sieht keinen Grund, warum der Magistrat nicht sein Einvernehmen zu dem Vorhaben erklären soll. Alle Gesetze - Abstand zur Wohnbebauung, Schattenwurf, Lärmschutz - würden eingehalten. Zwar könne Ruppert verstehen, dass es Unmut darüber gibt, aber er habe keine anderen rechtlichen Möglichkeiten.Dass sehen die Mitglieder der Raibacher Bürgerinitiative anders. "Auch wenn es angeblich keine rechtliche Handhabe gibt, kann die Stadt trotzdem ihren Protest äußern", meint Reinhard Volz. Er und seine Mitstreiter beklagen vor allem die mangelnde Transparenz im Genehmigungsverfahren, bei dem die Öffentlichkeit komplett außen vor gelassen wird. Sie befürchten, dass die beiden neuen Windrad-Monster mit ihren gewaltigen Fundamenten das von der UNESCO geschützte Landschaftsbild komplett zerstören, geschätzte 8.000 Quadratmeter Wald gerodet werden müssen und die Lärmbelastung stärker wird.

Da die neuen Bauwerke über 100 Meter hoch sind, müssten diese mit einer starken, signalroten Warnbeleuchtung für Flugzeuge ausgestattet werden. Ein nächtliches Schauspiel auf das die Raibacher gerne verzichten würden. Auch das hinter dem Berg liegende Schaafheim hätte dann einen rot-blinkenden Horizont, wie Volz anmerkt. Mehr als 50 Prozent der wahlberechtigten Bürger in Raibach haben mittlerweile mit ihrer Unterschrift gegen die Ausbaupläne demonstriert.Dass Bürgerprotest erfolgreich sein kann, hat die Initiative in Seligenstadt bewiesen. Dort kämpfte unter anderem Joachim Giel gegen die "Verspargelung" der Landschaft. Das dort für Windenergie vorgesehene Gebiet wurde jüngst aus dem Flächennutzungsplan gestrichen â?? wegen einer dort lebenden Fledermausart. "Das ist nur vorgeschoben", meint Giel. Er und seine Initiativen hätten anhand von wissenschaftlichen Daten nachgewiesen, dass dort viel zu wenig Wind weht, um die Anlage wirtschaftlich betreiben zu können.Ob in der Nähe des Otzberger Ortsteil Nieder-Klingen in naher Zukunft sieben rund 150 Meter hohe Windräder die Landschaft prägen werden, ist indes noch unklar. Wie Bürgermeister Karl Ohlemüller mitteilte, liegt derzeit lediglich eine Anfrage eines Anlagenbetreibers vor. Beschlüsse wurden noch nicht gefasst.

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