Nicht jedem gefällt´s

Sprayer Helge „Bomber“ Steinmann macht Street-Art

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Bewundernde Blicke von Passanten ist „Bomber“ gewohnt.

Hattersheim – Sein Beruf ist die professionelle Sachbeschädigung: Graffiti-Sprüher Helge „Bomber“ Steinmann aus Okriftel nutzt den öffentlichen Raum als Gestaltungsobjekt. Doch nicht jedem gefällt die Street-Art. Von Mareike Palmy

Für die einen sind es nur Schmierereien. Für andere dagegen wahre Kunst: Graffitis. Was manche als Schandfleck an der Wand betrachten, damit verdient der Hattersheimer Helge Steinmann seine Brötchen.

Große weiße Wände reizen mich. Für mich sind Graffitis eine Daseinsform menschlichen Ausdrucks, eine Art von Protest, Kunst und Kommunikation zugleich“, sagt Steinmann.

Bewundernde Blicke von Passanten ist „Bomber“ gewohnt.

Schon als Jugendlicher kritzelte der heute 42-Jährige seine Ideen auf Papier und sorgte mit seinen Graffitis für Aufsehen. Seine impulsive Handschrift steht dabei für einen ganz eigenständigen europäischen Graffiti-Stil. „Meine Werke haben einen hohen Wiedererkennungswert und heben sich bewusst von der Umgebung ab“, sagt Steinmann, der zu den Urgesteinen der deutschen Sprayer-Szene zählt.

Mittlerweile beeindruckt seine ständige Neuerfindung der exklusiven Fassadengestaltung nicht nur die Szene, auch viele Bürgermeister, Konzernchefs und Firmeninhaber finden Gefallen an Steinmanns Graffiti-Kunst. Farbenfrohe Schriftzüge und detailreiche „Character“, wie die Graffiti-Figuren genannt werden, schmücken daher zahlreiche Flächen der Region. „Auftragsarbeiten sind ein Weg aus dem nicht gewollten, aus dem Unerwünschten, rauszukommen. Auch meine Eltern fanden anfangs nicht gut, was ich da mache. Irgendwann kauften sie mir aber sogar die Dosen“, erzählt Helge Steinmann.

Denn wie jeder Sprayer, hat auch „Bomber“ in jungen Jahren seinen Schriftzug an vielen Hauswänden illegal hinterlassen. „Taggen“ nennt man das im Fachjargon. „Es gehört dazu, mal erwischt zu werden. Aber das braucht keiner“, weiß der Künstler aus Erfahrung. Doch schon seit 1988 ist der aktive Graffiti-Stylewriter und Mitglied der weltweit etablierten Künstlergruppe FBI (Fabulous Bomb Inability), an legalen Wänden unterwegs.

Mittlerweile hat er manches Stadtbild verändert. Von 1988 bis heute produziert Helge Steinmann in Zusammenarbeit mit Künstlern aus aller Welt, Wandgestaltungsprojekte in Deutschland, Spanien, Frankreich, Schweiz, Österreich und Polen. Auch im Rhein-Main-Gebiet hat er schon so manche graue Betonwand verschönert. Neben dem Sporthallengiebel in Hattersheim, dem Kinopolis in Sulzbach, der alten Papierfabrik in Okriftel, vielen Stromkästen und Fußgängerunterführungen bekennt auch das Hofheimer-Rapmobil dank Steinmann jetzt Farbe. Ebenso die Gestaltung des Leunabunkers in Frankfurt-Höchst geht auf seine Kappe. Mit 1800 Quadratmetern ist es das größte Graffitikunstwerk Hessens.

Neben zahlreichen Veröffentlichungen in Büchern und Magazinen wurden seine Bilder auch auf Ausstellungen weltweit gezeigt.

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