Grab-Entdecker fordert Aufmerksamkeit für den echten Zappelphilipp

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Dieter Georg am Grab des Zappelphilipps.

Frankfurt – Struwwelpeter, Paulinchen, Zappelphilipp – die Figuren des Autors Heinrich Hoffmann sind Legende. Tausende besuchen die Gräber von Pauline Schmidt und Heinrich Hoffmann in Frankfurt. Dieter Georg hat 2009 das Zappelphilipp-Grab entdeckt. Doch niemanden interessiert's. Von Christian Reinartz

Zappelphilipps richtiger Name: Philipp Julius von Fabricius. Geboren 1839, gestorben 1911. Eben jener Philipp war Sohn des berühmten Frankfurter Chirurgen Friedrich Wilhelm Fabricius, der ein guter Freund und Arztkollege des Struwwelpeter-Autors Heinrich Hoffmann war. Gemeinsam unternahmen die damals befreundeten Frankfurter Arztfamilien viele Ausflüge, etwa in den nahen Taunus. Und eben jener zappelige Philipp habe nach dem Tod Hoffmanns selbst zu verstehen gegeben: „Ich bin's!“ Nachzulesen ist das in dem Buch des österreichischen Hoffmann-Forschers Professor Dietmar Grieser.

Nur wo der Zappelphilipp seine letzte Ruhestätte fand, war unbekannt. Erst als Dieter Georg, seines Zeichens Friedhofs-Experte und Hobby-Grabstein-Restaurator, auf ein vermoostes Kreuz in der Nähe des Alten Portals an der Eckenheimer Landstraße (Gewann F XXII) stieß, wurde das Geheimnis gelüftet.

Eine weitere Pilgerstätte für Struwwelpeter-Fans

Georg, der als Grabsteinpate diverse alte Steine säubert und in Schuss hält, kam dem Zappelphilipp auf die Spur, als er den Namen las: Philipp Julius von Fabricius. Er blätterte schnell im Grieserschen Werk nach und siehe da: Auch das Geburtsdatum und die Vita stimmten überein. „Für mich besteht da kein Zweifel. Hier liegt der Zappelphilipp begraben“, sagt Georg. Mittlerweile hat er das Moos heruntergeschrubbt und den weißen Marmor freigelegt. Jeder kann das Grab besuchen. Neben dem Hoffmann-Grab und der vielbesuchten Ruhestätte der Pauline Schmidt, die als Vorlage für „Pauline war allein zu Haus“ gilt, hätte der Hauptfriedhof damit noch eine weitere Pilgerstädte für Struwwelpeter-Fans.

Rückendeckung eines Wissenschaftlers

Doch bei der Stadt ist das Interesse an Georgs Fund offenbar nicht sonderlich groß. Im städtischen Struwwelpetermuseum will man von einem solchen Fund gar nichts wissen. „Ich habe der Leiterin meine Entdeckung mitgeteilt, aber sie zeigte kein Interesse.“Dabei erhält Georg Rückendeckung von Professor Dietmar Grieser höchstpersönlich. „Ich stehe in Kontakt mit Herrn Georg und habe die Fotos des Grabs gesehen“, sagt der Wissenschaftler. Sowohl Geburtsdatum, der Doppelname und weitere Details stimmen mit seinen Forschungen überein. Er kann nicht nachvollziehen, warum die Stadt diesen Fund nicht aufgreift: „Aus wissenschaftlicher Sicht halte ich diese Entdeckung nämlich für absolut seriös.“

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