Glückwünsche kommen in den Briefkasten

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Heinz Friedberg zeigt stolz seine Briefmarkensammlung.

Region Rhein-Main – Wer denkt, Briefmarken sammeln ist out, täuscht sich. Täglich werden 65 Millionen Briefe von der Deutschen Post befördert. Davon sind allerdings nur noch sechs Prozent Privatpost , die mit Briefmarken versehen sind. Von Silke Gottaut

Ein großes Holzregal, etwa 40 Briefmarkenalben und jede Menge bunte Briefmarken. Das ist der 60 Jahre alte Schatz von Briefmarkensammler Heinz Friedberg. „Ich sammel Briefmarken, seitdem ich zwölf bin“, sagt der 72-Jährige. Durch seine Sammelleidenschaft wurde Friedberg Vorsitzender im Briefmarken- und Münzensammler-Verein Dietzenbach. Doch nicht nur dort wird gesammelt, sondern auch die Grundschulklässler der Aueschule in Dietzenbach sammeln fleißig Briefmarken. Und das in Zeiten, in denen Internet und PC-Spiele im Trend sind. „Sie sammeln jedoch andere Briefmarken, als ich damals,“ sagt Friedberg. Früher waren auf den Briefmarken Porträts von Kaisern, Gebäuden oder Wappen abgebildet. „Heute findet man alles auf einer Briefmarke“, sagt Friedberg. Sei es Flugzeuge, Tiere, Autos oder Mickey Mouse.

Doch wer setzt sich heute noch hin und schreibt Briefe? Da wird schnell das Handy rausgeholt, oder der PC angemacht und eine E-Mail geschrieben. Dass Online-Kommunikation immer mehr zunimmt, bekommt auch die Deutsche Post zu spüren: „Während im Bereich des Dialog-Marketing, also Werben per Post, kräftige Zuwächse zu sehen sind, nehmen die privaten Briefe jährlich um etwa zwei bis drei Prozent ab“, sagt Heinz-Jürgen Thomeczek von der Pressestelle der Deutschen Post. „Das sind natürlich auch Briefe, die uns dann in den Briefkästen schlicht fehlen.“

Doch in den nächsten Wochen, den Urlaubsmonaten, sieht die Lage ein wenig anders aus: Viele Urlauber greifen doch noch auf die traditionelle Ansichtskarte zurück. Dann werden die gelben Briefkästen auch wieder voller.

„Ich würde nie Geburtstags- oder Weihnachtsgrüße per E-Mail verschicken. Ich schreibe Karten“, sagt Friedberg. Und so kommen doch noch jeden Tag zirka vier Millionen neue Briefmarken in Umlauf, die den noch rund drei Millionen deutschen Sammlern Freude bereiten.

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