Das ist der Unterscheid

Glatteis, Blitzeis & Co: So kommen Sie nicht ins Rutschen!

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Region Rhein-Main – Aufgepasst auf Hessens Straßen. Die Begriffe Glatteis, Eisglätte, Schneeglätte oder Reifglätte dominieren die Verkehrsmeldungen. Der EXTRA TIPP zeigt, worin sich Glätte-Arten unterscheiden und wie sich die Autofahrer darauf einstellen sollten. Von Oliver Haas

Die gefährlichste Glätte-Art ist das Glatteis „Hier sollten die Autofahrer entweder Schrittgeschwindigkeit oder überhaupt nicht fahren und warten, bis es wieder abgetaut ist“, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst aus Offenbach. Diese Glätte entsteht, wenn Regen oder bereits geeister Regen auf gefrorenen Boden trifft. Die Fläche wird dann spiegelglatt und selbst mit Winterreifen haben Autofahrer kaum Chancen, ihr Fahrzeug in der Spur zu halten. Häufig wird hierbei umgangsprachlich vom Blitzeis gesprochen, das aber kein meteorologischer Begriff ist. „Das wurde von Medien in den 90er Jahren erfunden. Wahrscheinlich, weil Glatteis nicht sexy genug klingt“, scherzt Wetterexperte Martin Gudd von Hit Radio FFH.

Vorher abbremsen

Glatteis unterscheidet sich zum Begriff Eisglätte. Diese entsteht, wenn es beispielsweise Abends bei Plus-Temperaturen auf die Straße regnet und sich nasse Stellen auf dem Asphalt bilden. Wenn im Laufe der Nacht die Oberfläche der Straße unter den Gefrierpunkt sinkt, dann gefriert der Regen dort und es ist glatt. „Tückisch ist, dass es nur an gewissen Stellen, eben da wo sich Pfützen gebildet haben, glatt ist“, so Friedrich. Diese Stellen erscheinen während einer Fahrt dann überraschend. Daher empfiehlt der Experte: „Unbedingt vorausschauend fahren und wenn man eine glatte Stelle sieht, dann vorher vorsichtig abbremsen, denn auf der Eisfläche selbst bringt es nichts mehr.“ Eisglätte wird auch überfrierende Nässe genannt.

So entsteht Reifglätte

Bereits jetzt im Herbst kann es zu sogenannter Reifglätte kommen. Denn auch wenn es nicht geregnet hat, kann Glätte durch Kondensation entstehen. Das passiert immer dann, wenn die Luft wärmer und damit feuchter wird, der Boden aber kühler ist. Dann liegt der Taupunkt der Luft über der Oberflächentemperatur. Je größer der Unterschied, desto schneller schlägt sich der in der Luft enthaltene Wasserdampf auf der Oberfläche nieder. Dort entstehen dann Eiskristalle, die für Reifglätte sorgen. Martin Gudd erläutert, warum dieses Phänomen vor allem in der jetzigen Jahreszeit auftritt: „Gerade im Herbst spricht man auch von sogenannter Schönwetterglätte, wenn wolkenfreier Himmel herrscht und sich der Nebel als Eiskristalle auf die Straße setzt.“ Vor allem an Brücken und in Waldgebieten könne es zur Reifglätte kommen. Der Grund: Dort kühlt die Oberfläche schneller aus, so dass es selbst bei einer leichten Plus-Temperatur in der Luft dort zu glatten Stellen kommen kann. An diesen Gebieten strahlt Wärme schneller in die Atmosphäre ab, und diese Stellen kühlen dann stärker aus. „Deshalb warnt das Auto-Thermometer in den Autos bereits ab drei Grad plus vor Frost.“ Vor dem beliebten Bremstest kurz nach dem Losfahren, rät Gudd ab: „Wer in der Stadt losfährt, kann außerhalb der Ortschaften auf Landstraßen plötzlich Glätte vorfinden. Vor allem, wenn die Straßen nicht so viel befahren wird und durch Waldgebiete verläuft.“

Schneeketten nicht erforderlich

Der Name Schneeglätte ist selbsterklärend. Wenn es schneit und die Straßen komplett bedeckt ist, kann es zur Rutschpartie kommen. Vor allem, wenn der Schnee zusammengedrückt ist. „Gefährlich ist es, wenn sich unter der Schneedecke noch gefrorene Eisglätte befindet, weil man es durch den Schnee nicht erkennt“, warnt Meterologe Friedrich. Allerdings sind Autofahrer bei Schneeglätte mit guten Winterreifen und ausreichendem Profil gut ausgerüstet. Schneeketten seien hier in Hessen eher nicht erforderlich. Für alle Glättearten empfiehlt er: „Im Stoßverkehr mehr Abstand halten, denn der Bremsweg kann zwischen drei- und fünfmal länger sein als sonst.“

So reagieren Sie richtig

Wenn´s glatt ist, sollte man vorausschauend und langsam fahren. Der ADAC hat fünf Tipps parat, wenn es doch rutscht:

Anfahren 

Wenn die Fahrbahn rutschig ist, sollte man im zweiten Gang anfahren damit die Räder nicht durchdrehen. Grundsätzlich sollte mit möglichst hohem Gang gefahren und bei Automatikfahrzeugen kein „Kick-down“ betätigt werden.

Gas Geben 

Immer vorsichtig Gas geben und Gas wegnehmen. Zu schnelles und plötzliches Gas geben oder wegnehmen kann zum Ausbrechen und Rutschen des Wagens führen. Wichtig: Nicht gleichzeitig lenken und Gas geben oder reduzieren.

Gegensteuern 

Wenn das Auto ins Schleudern kommt, dann sollte man auskuppeln und schnell, aber gefühlvoll gegensteuern. Wichtig ist hierbei, dass nicht ruckartig gelenkt wird.

Ohne ABS 

Wer ein Auto ohne Antiblockiersystem (ABS) besitzt, sollte auf glatter Fahrbahn beim Bremsen auskuppeln und das Pedal nur vorsichtig drücken, weil sonst das Auto ins Schleudern kommen kann. Bei einer Notbremsung auf einer Geraden sollte bei einem Pkw ohne ABS das Bremspedal mit voller Kraft gedrückt werden, damit der Bremsweg kurz ist. Schert das Fahrzeug aus, muss die Bremse loslassen werden und wieder bremsen, sobald das Auto stabilisiert ist.

Mit ABS 

Wer mit ABS auf einer Geraden bremst, sollte fest das Pedal treten, nur dann entfaltet das System seine Wirkung und bleibt in der Regel ausreichend stabil in der Spur und lenkbar. Vorsicht: Auf Schnee ist der Bremsweg trotz ABS länger.

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Oliver Haas

Oliver Haas

E-Mail:oliver.haas@extratipp.com

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