Regeln werden gern missachtet

Das gibt Ärger im Kleingarten: Junge haben Lust auf Laube

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Auch Ute Hagen aus Mühlheim verbringt mit ihren Kindern Geryon und Ariane viel Zeit im Kleingarten.

Region Rhein-Main – Viele Jahre galten Kleingartenvereine als Paradies für Rentner und Spießbürger. Heute zieht es immer mehr junge Menschen in die Schrebergärten in Rhein-Main. Doch der Nachwuchs hält sich nicht immer an die Regeln. Von Kristina Bräutigam

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Akkurat gestutzte Hecken, der Rasen auf drei Zentimeter getrimmt, über das unkrautfreie Gemüsebeet wacht der Gartenzwerg: Kleingartenvereine galten viele Jahre als Inbegriff deutscher Spießigkeit. Doch die Zeiten, in denen die Parzellen fest in der Hand von Rentnern waren, sind vorbei. Immer mehr Großstädter und junge Familien haben Lust auf Laube. „Wir erleben seit ein paar Jahren einen regelrechten Boom“, sagt Hannelore Dörr, Vorsitzende der Stadtgruppe Frankfurt der Kleingärtner, der 112 Kleingartenvereine in Frankfurt und Umgebung vertritt.

Dieter Weppe, Vorsitzender Stadt- und Kreisverband der Kleingärtner Offenbach, bestätigt den Trend. „Wir bekommen ständig neue Bewerbungen. Aber die Wartelisten sind lang“. Das Problem: Wer eine Parzelle sein Eigen nennt, gibt sie so schnell nicht wieder her. „Die meisten Kleingärten werden nur abgegeben, wenn der Pächter zu krank oder alt ist oder wenn er wegzieht“, sagt der Vorsitzende des Verbands, der 34 Vereine vertritt.

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Wer einen Kleingarten pachten darf, entscheidet der Vereinsvorstand selbst. Grundvoraussetzung Nummer eins: Der Bewerber muss aus der Stadt kommen, in der sich die Kleingartenkolonie befindet. Voraussetzung Nummer zwei: Der Bewerber muss in den Verein passen – und sollte nicht zu alt sein. „Junge Paare oder Familien mit kleinen Kindern werden klar bevorzugt“, sagt Eckhard Menge, seit fast 30 Jahren Vorsitzender des Kleingärtnervereins Brückfeld in Mühlheim. Hier lernen Kinder nicht nur, dass Erdbeeren nicht im Supermarktregal wachsen. Wer im Garten groß wird, bleibe diesem auch später treu. „Im besten Fall wird der Kleingarten von Generation zu Generation weitergegeben.“ Dass die jungen Leute für Leben im Kleingartenverein sorgen, freut Eckhard Menge.

Gesetz schreibt vieles vor

Doch der Nachwuchs macht auch Probleme: „Viele Bewerber denken, mit ein bisschen Rasenmähen ist es getan, und den Rest der Zeit können sie sich sonnen und grillen. Aber so funktioniert das nicht“, betont der 73-Jährige. Auch Hannelore Dörr von der Stadtgruppe Frankfurt ärgert sich über faule Kleingärtner. „Viele denken, sie haben den Kleingarten gepachtet, und es kann ihnen keiner mehr reinreden. Das ist falsch.“ Da die Vereine ihr Gelände von der Stadt gemietet haben, sind sie zur Einhaltung der Auflagen verpflichtet. Dazu gehört auch das Bundeskleingartengesetz, das genau regelt, wie die Gartenfläche zu nutzen ist. So muss ein Drittel dem Anbau von Obst und Gemüse gewidmet werden, auch die Größe der Laube sowie die Höhe der Hecken sind vorgegeben.

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„Wir gehen nicht mit dem Maßband los. Aber im Groben sollten sich die Pächter an die Regeln halten“, sagt Eckhard Menge. Wer das nicht tut, kassiert erst eine Abmahnung, dann die Kündigung. Dabei ist es nicht immer Ignoranz, die den Frieden im Schrebergartenidyll stört. „Viele junge Leute unterschätzen den Aufwand. Um einen Garten in Schuss zu halten, reicht es nicht, einmal pro Monat vorbeizuschauen“, weiß Hannelore Dörr. 

Auch im Kreisverband Hochtaunus der Kleingärtner sind faule Gartenfreunde ein großes Problem. „Obwohl wir alle Neulinge schulen und beraten, lassen viele ihre Fläche verwahrlosen“, so Vorsitzender Frank Siebert. Besonders Migranten scheren sich oft nicht um Regeln und seien schwer zu erreichen. Doch am Ende ist auch im Hochtaunus egal, ob der Pächter aus Bulgarien kommt oder ein hochbezahlter Akademiker ist: „Wer sich trotz Ermahnung nicht an die Regeln hält, fliegt“, sagt Siebert.

Sind die Kleingartenvereine also trotz Verjüngungskur fest in der Hand von kleinkarierten Spießern? Nein, sagt Eckhard Menge aus Mühlheim. Nichts sei schöner, als tobende Kinder und geselliges Feiern in seiner Anlage. „Ein Vereinsmitglied, das in seinem Garten Ruhe haben will, soll auf den Friedhof gehen.“

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