Die Gibson in der Hand und Priscilla im Herzen

Frankfurt – Selbst bei bitterster Kälte sitzt Rolf Kutschera an der Frankfurter Goethestraße und haut mit seinen klammen Fingern in die Saiten. Er ist der Robin Hood unter den Straßenmusikern. Der 62-Jährige spielt Protestsongs von Bob Dylan und will die reichen Frankfurter zum Nachdenken bringen. Von Christian Reinartz

Für Rolf Kutschera sind die Fußgängerzonen Frankfurts eine große Bühne. Für ihn, den Bob Dylan Frankfurts und seine geliebte Gibson-Gitarre. Er spielt den Passanten dreimal pro Woche seine Lieder. Dazwischen arbeitet er als Cartoonist. Er liebt die Musik. Und er lebt sie. In vollen Zügen. „Ich schlafe mit meiner Gitarre ein und wache mit ihr auf“, sagt Rolf. Geliebte Instrumente zieren als Tattoo sogar seine Unterarme. Eine Gibson und eine Fender Telecaster hat er sich in die Haut stechen lassen. Und den Namen seiner Verlobten. In dicken, schwarz-roten Lettern: Priscilla.

Priscilla lebt in Kuba, und hat außer einem Tattoo mit Rolfs Namen nicht viel. Und das macht Rolf zum Robin Hood der Straßenmusiker. Denn er überweist das, was ihm seine Zuhörer in den Gitarrenkoffer werfen direkt in die Karibik. Zu seiner großen Liebe. „Sie verdient da nur zehn Euro im Monat“, sagt Rolf, der jede Gelegenheit nutzt, um sie zu besuchen: „Diese Armut dort kann sich keiner vorstellen. Und so passiert mit der Kohle etwas Gutes.“

Warum sich der Musiker wie ein Rebell fühlt

Trotzdem spielt das Geld bei seinen Freiluft-Konzerten nur die zweite Geige. „Ich finde, die Dylan-Songs passen einfach nach Frankfurt“, sagt Rolf. Man spürt, dass die Musik für den Mann eine Berufung ist. Zwei Stunden Programm hat er zusammen, hat Tag und Nacht Texte gelernt. Und Dylantexte sind alles andere als einfach. „Aber mit der Zeit bekommt man auch das hin.“ Es sind Lieder des Protests gegen Politiker, Wirtschaftsbosse und Reiche. „Ich finde es großartig, wenn ich ,The Times They Are a-Changin‘ singe, während eine Lady im Pelzmantel und mit kleinem Köter an der Leine an mir vorbeiläuft. Da fühle ich mich wie ein echter Rebell.“

Aber die Straßenmusik hat für Rolf auch praktische Aspekte: „Man bekommt Routine und wird sicher auf der Bühne.“ Denn die ist sein großes Ziel. Im Moment noch auf der „Open Stage“ in der Frankfurt Art Bar. „Aber ich will mehr“, sagt Rolf: „Ich will Konzerte geben, bekannter werden“, sagt er: „Aber wenn einer will, spiele ich auch auf seinem Geburtstag.“ Weitere Infos und Kontakt per Mail an rock-n-roll-f@hotmail.de.

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