Diskussion um Gesetzentwurf

Muslime fordern Bestattung ohne Sarg

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Nur in ein Leichentuch gewickelt, werden Tote bei einer muslimischen Beerdigung zu Grabe gelassen. Die Friedhofsmitarbeiter der Region scheuen sich davor.

Region Rhein-Main – Statt in Särgen sollen Muslime sich zukünftig traditionell in Leichentüchern bestatten lassen können. Das sieht zumindest ein Gesetzentwurf der Sozialdemokraten im hessischen Landtag vor. Sie wollen mit Unterstützung der Linken die Sargpflicht kippen. Von Christian Reinartz

Während die Muslime der Region endlich eine Reform fordern, lehnen die Friedhofsmitarbeiter die Bestattung im Tuch ab.

„Ich bin hier in Deutschland geboren und aufgewachsen, also will ich auch hier bestattet werden“, sagt Muhammed Okumus. Doch will der 20-Jährige seiner Religion treu bleiben, muss er in die Türkei überführt werden. Der Grund: In Hessen herrscht strikte Sargpflicht. So steht es im Friedhofsgesetz. Lediglich das vom Islam vorgeschriebene Leichentuch zu benutzen, ist verboten. Zudem werden in Deutschland Gräber irgendwann eingeebnet. Im Islam ist das ebenfalls untersagt. Der Offenbacher Imam Mehmet Ergün erklärt: „99 Prozent der Muslime in Deutschland lassen sich deshalb nach ihrem Tod in die Heimat überführen.“ Fast jeder zahle deshalb in eine Art Sterbekasse ein, die dann den Transport ermögliche. Dabei würden viele lieber in dem Land bleiben, das ihre neue Heimat geworden ist, sagt Ergün. Er rechnet damit, dass die Zahlen der muslimischen Bestattungen bei einer Gesetzesänderung in die Höhe schnellen würden.

Friedhofsmitarbeiter sind kritisch

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Was für Ergün und andere Muslime Tradition ist, macht die Friedhofsmitarbeiter der Region zurzeit unruhig. Sie stehen der Abschaffung der Sargpflicht kritisch gegenüber. „Unsere Mitarbeiter stehen sowieso schon unter einer erheblichen psychischen Belastung“, erklärt Thomas Linne, Leiter der Friedhofsabteilung im Frankfurt er Grünflächenamt. Der Kontakt mit den Körpern ohne den schützenden Sarg, könne zu einer noch stärkeren Belastung führen.

Das bestätigt auch der Fachbereichsleiters für den Oberurseler Friedhof Mathias Brand: „Selbst hartgesottenste Mitarbeiter könnte sowas mitnehmen.“ Gehe das Gesetz durch, sind sich aber beide einig, dass eine Lösung gefunden werden muss. Linne: „Vielleicht muss dafür dann speziell geschultes Personal eingestellt werden.“

In der Kreisstadt Dietzenbach denkt man an so etwas noch nicht. Dort formuliert es Peter Lehr, Leiter der Friedhofsverwaltung, kurz und bündig: „Meine Männer haben diskutiert und mir gesagt, dass sie sowas nicht machen werden.“

Rückenwind bekommen die Kritiker von einem Moslem, dem CDU-Landtagsabgeordneten Ismail Tipi. Er betont: „Aus muslimischer Sicht spricht in Deutschland nichts gegen eine Bestattung im Sarg. Das habe ich mir von vielen Imamen, aber auch einem Mufti bestätigen lassen.“ Dennoch räumt er ein, dass viele den Wunsch hegten, weil es der Tradition entspreche. Unterstützen will Ismail Tipi den Gesetzesvorstoß trotzdem nicht.

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