Geschichten vom blauen Dunst

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Nichtraucher Rainer Immensack sammelt historische Tabak-Utensilien. In seinem Haus stapeln sich die Exponate.

Hofheim – Aschenbecher, Tabakdosen, Zigarettenschachteln, Pfeifen, Streichhölzer, Werbeschilder und Plakate: Rainer Immensack aus Hofheim sammelt seit 45 Jahren Tabak-Utensilien aller Art. Durch sein Hobby wurde er zum echten Tabakhistoriker. Von Mareike Palmy

„Es geht mir nicht um die Zigaretten oder das Rauchen, denn der Tabak hat heute gar keinen Lauf mehr“, sagt Personaltrainer Rainer Immensack. „Viel wichtiger ist mir die grundsätzliche Produktentwicklung. Der Gegenstand selbst und seine Geschichte und die Hintergründe und Auswirkungen auf die Gesellschaft“, erklärt der Hofheimer.

Immensack besitzt eine der größten tabakhistorischen Sammlungen deutschlandweit und gilt als Pionier der Tabakforschung und ausgewiesener Spezialist für Manoli-Zigaretten. Die waren um die Jahrhundertwende und bis in den 1. Weltkrieg der „Mercedes unter den Zigaretten“, wie er sagt. Vor zehn Jahren hat er sich auf die Berliner Zigarettenfirma spezialisiert, intensiv geforscht und so viel über die Zigarettenindustrie herausgefunden.

Seine Exponate werden mittlerweile von Museen im ganzen Land ausgestellt, Filmcrews leihen sich sogar seine Tabak-Utensilien und sein großes Fachwissen ist selbst in Diplomarbeiten gefragt.

Immensacks Leidenschaft für den blauen Dunst begann, als er zehn Tabakpfeifen von den Eltern aus dem Urlaub mitgebracht bekam. Auch der Rauch-Club seines älteren Cousins Gerd aus Mannheim imponierte dem damals 16-Jährigen enorm.

Sein größer Schatz ist eine Schachtel von 1899

Heute besitzt er allein 3000 Zigarettenschachteln und -dosen aus der Zeit der Jahrhundertwende. Davon sind über 400 von Manoli. Sein größter „Schatz“ ist eine kleine Schachtel von 1899 mit dem Aufdruck „Meine Kleine“. „Die hat mich 300 Euro gekostet. Diese Zigarette löste damals eine Hysterie aus. Jeder wollte sie haben, denn die war preiswerter und für das Massenpublikum gemacht“, erklärt Immensack.

Unter seinen Sammlerstücken befinden sich unter anderem auch Spucknäpfe, Kautabaktöpfe, Zigarettenautomaten, Schnupftabakdosen, Zigarrenbauchbinden, Plakate oder Postkarten. Hunderte Bücher Fachliteratur stapeln sich bis unter das Dach seines Hauses in Diedenbergen. Schon die Wände im Treppenaufgang sind tapeziert mit Werbeschildern. Kautabakdosen sind fein säuberlich in Setzkästen einsortiert. Schubladen quellen über mit antiken und seltenen Zigarettenschachteln, aus Pappe, Metal und Leder. „Es ist ein Luxus-Hobby. Für meine teuerste Schachtel, eine „Gibson Girl“ von Manoli, habe ich über 800 Euro bezahlt. Auch das Sammeln ist nicht einfach. Auf Flohmärkten oder bei E-Bay findet sich manchmal etwas. Aber dafür braucht man schon ein Auge“, sagt der Tabakhistoriker.

Selbst im Urlaub pflegt der 61-Jährige sein Hobby. Mit Frau Erika hat Immensack schon viele Tabakreisen unternommen, sich den Anbau in Griechenland, Deutschland und der Türkei angesehen und Museen in Holland besucht. „Es gibt Manoli und es gibt die reale Welt. Das muss ich mir nur ab und zu ins Gedächtnis rufen“, so der Nichtraucher.

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