Geschäftsführer von Frankfurts ältestem Schallplattenladen im Interview

Frankfurter Plattenladenbesitzer über den Vinyl-Kult

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Bei ihm dreht sich alles um Vinyl: Musikkenner und Plattenliebhaber Michael Baumann.

Frankfurt - Michael Baumann ist Geschäftsführer des Number Two, Frankfurts ältestem Schallplattenladen. Er verrät, warum er den analogen Klang liebt, immer mehr junge Menschen die Platte entdecken und welche besondere Beziehung er zu Jimi Hendrix hat. Von Dirk Beutel 

Selbst junge Musikhörer schwören auf den analogen Klanggeschmack. Warum?

Man sagt ja, die Schallplatte klingt weicher, wärmer. Ich bin damit aufgewachsen, ich kannte eigentlich nur diesen Klang. Dann kam die CD. Alles war plötzlich so präsent, so weit im Vordergrund. Da haben manche gesagt, dass das einfach besser klingt. Es war aber nur teilweise in gewissen Tonlagen angeglichen, mehr Höhen mehr Mitten reingedreht, dadurch entstand der Eindruck, dass sich der Sound auf einer CD voluminöser anhöre. Für mich allerdings war der Klang der Schallplatte immer das Nonplusultra.

Schon kleinste Verschmutzungen sorgen dafür, dass es auf einer Platte knackst und rauscht. Nicht gerade etwas für die Generation mp3.

Vielleicht stören sich einige daran. Die Liebhaber sagen, eine Schallplatte darf auf keinen Fall springen, aber ein bisschen knistern gehört irgendwie dazu. Klar – wenn man seine Platten pflegt, passiert das erst gar nicht, dann klingt es einfach nur gut. Dass das Handling bei einer CD oder bei einer mp3 unkomplizierter ist, ist klar. Sie sind unempflindlicher, viel praktischer. Die kann man mit ins Auto nehmen oder einfach unterwegs hören. Die Schallplatte kann man eben nur zu Hause hören.

Kann man sagen, dass man sich mit einer Schallplatte auch ein Stück Ruhe zurückholt?

Das würde ich auf jeden Fall sagen. Wenn man sich eine Platte anhören will, raucht es eine gewisse Zeit. Man holt sie aus dem Cover, platziert sie auf dem Plattenteller, vorsichtig wird der Tonarm heruntergelassen. Das ist schon fast eine Zeremonie. Da kommt man auch ein bisschen runter. Na ja, der große Nachteil: Spätestens ab der Hälfte des Werks muss man aufstehen und die Platte umdrehen.

Wer kommt denn nun in Ihren Laden und fragt nach Schallplatten? Ausschließlich gehobene Semester?

Die, die echte Fans und Sammler sind, gehören zu der Generation 40plus. Es ist zwar erfreulich, dass langsam Jüngere dazukommen, aber die eigentlichen Sammler, mit einer großen Sammlung sind eben älter. Die haben halt schon vor 30 Jahren angefangen.

Suchen, stöbern gehört in Ihrem Laden dazu. Haben Sie selbst auch mal einen kleinen Schatz, eine Rarität entdeckt?

Schon öfters. Auf dem Flohmarkt findet man Platten, die wirklich Geld wert sind. Man muss sich auskennen und die Platten erkennen. Die LP „Indian Summer“ habe ich für fünf Euro gekauft. Jetzt verkaufe ich sie für 150 Euro. Als ich selbst das erste Mal mit 18 Jahren auf dem Flohmarkt meine ältesten Platten verkauft habe, weil ich dachte, dass ich die nicht mehr brauche, habe ich die auch für fünf Mark pro Stück verkauft. Und hab mich danach noch gewundert, dass gerade die am schnellsten weg waren, wahrscheinlich waren das auch rare Langspielplatten.

Was macht eine Platte wertvoll?

Platten die in kleinen Stückzahlen gepresst wurden aus den sechzigern, frühen 70ern mit kleiner Auflage, aber auch bestimmte Labels werden gesucht wie etwa Swirl Vertigo, die frühen Sachen von Motown, im Jazzbereich Blue Note, die frühen Platten aus den 60ern. Das stellt nicht unbedingt immer den musikalischen Wert einer Platte dar. Da kann auch schonmal schräges Zeug drauf sein, das einem persönlich nicht gefällt.

Welche Platten gehen früher wie heute noch problemlos über den Ladentisch?

Über all die Jahre sind es die Klassiker schlechthin. Die erste Led Zeppelin-Platte , Pink Floyd mit „Dark Side of the Moon“ oder „Deep Purple in Rock“. Die werden immer wieder gekauft.

Was war denn die teuerste Platte, die Sie verkauft haben?

Das war „Electric Ladyland“ von Jimi Hendrix mit Original-Autogramm für 1000 Euro. Das war eine heiße Kiste, weil ich viel Zeit investiert habe, um die Unterschrift auf seine Echtheit zu überprüfen.

Kennen Sie den Film „High Fidelity“? Geht es auch manchmal so bei ihnen zu?

Dieser Film ist natürlich überspitzt. Aber es geht manchmal schon so in die Richtung. Hier finden Gespräche statt, Fachsimpeleien, da kann sogar ich nur den Kopf schütteln. Klar, manche meiner Kunden kennen sich besser aus, aber eben nur in ihrem speziellen Ressort, für ihre Bands, ihre Musik die sie lieben. Übrigens: In dem Film werden auch die Mitarbeiter als schräge Typen dargestellt. Das kenne ich nur aus anderen Läden, und es wurde mir auch schon erzählt, dass man abgefertigt wurde, nach dem Motto ‘Was hast du denn für einen komischen Musikgeschmack’. Das geht im Grunde gar nicht und wir behandeln unsere Kunden nicht so.

Man spricht von einem Comeback der Schallpatte, aber wie lange wird sich Vinyl behaupten können?

Bei mir war Schallplatte immer präsent. In den vergangenen 30 Jahren ging es mal auf und ab. In den vergangenen ein, zwei Jahren hat es aber nochmal deutlich angezogen. Es kommen jüngere Leute, die bestimmt nicht mit der Schallplatte aufgewachsen sind.

Downloadportale sind der neue Markt, während der Absatz für Tonträger, vor allem CDs, seit Jahren zerbröselt. Wie sieht die Zukunft aus?

Schwierig einzuschätzen. Es gab immer Prognosen, die ein Ende der Schallplatten besagten. Die werden aber auch noch in Zukunft gesammelt. Ich glaube die CD leidet am meisten darunter, und dass sie sich mal erholen und zum Sammelobjekt wird, bezweifle ich.

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