Es geht um Verkehr, Gestank und Mais: Um Bau zu verhindern, soll Rodgauer Landwirt enteignet werden

Geplante Biogasanlage im Kreis Offenbach: Widerstand wächst

+
o könnte es zwischen Heusenstamm und Rodgau aussehen: Unsere Montage zeigt eine moderne Biogasanlage auf dem Areal, das einem Rodgauer Landwirt gehört.

Rodgau/Heusenstamm - Zwischen Rodgau und Heusenstamm soll eine Biogasanlage entstehen. Doch die entsprechende Fläche will die Stadt Rodgau als Ausgleichsfläche nutzen. Auch wenn sie ihr nicht gehört. Von Sandra Klauß

Zwei Millionen Euro soll sie kosten und auf dem ehemaligen Gelände des Hessischen Rundfunks „Am Hengstern“ entstehen: Die vom Rodgauer Landwirt Stefan Wolf geplante Biogasanlage. Gerüchte hatte es in den vergangenen Wochen viele gegeben, jetzt bestätigte der Bauer sein Vorhaben. „Am vergangenen Dienstag habe ich meinen Antrag beim zuständigen Regierungspräsidium in Darmstadt eingereicht“, teilte Wolf auf Anfrage mit. Die betroffenen Kommunen sehen die Vorgänge auf der Gemarkung zwischen den Orten Weiskirchen und Rembrücken skeptisch. Letzteren trennen nur rund 600 Meter Luftlinie vom angedachten Standort. „Ich kann sagen, dass wir der Sache nicht euphorisch gegenüber stehen und sie ganz sicher nicht widerspruchslos hinnehmen werden“, sagte Heusenstamms Bürgermeister Peter Jakoby in der vergangenen Woche zu den Gerüchten.

Bauleitplan sieht Ausgleichsflächen vor

Lesen Sie außerdem:

Steffen Zöller aus Groß-Zimmern ist Hessens bester Nachwuchslandwirt

Der Lernbauernhof in Ober-Eschbach lädt Frankfurter Kinder ein

Sein Rodgauer Amtskollege Jürgen Hoffmann zeigte sich ebenfalls distanziert. Die größten Sorgen machen den Kommunen zunehmender Verkehr und der steigende Maisanbau in der Region. Hinter vorgehaltener Hand wird auch mit einer Geruchsbelästigung gerechnet. Landwirt Wolf hält die Befürchtungen für unbegründet: „Seit über fünf Jahren produziere ich bereits Substrate wie Mais für andere Anlagen und keiner hat sich je beschwert. Mit der eigenen Biogasanlage wird der Verkehr sogar weniger, da ich nicht mehr in Nachbarkommunen liefern muss.
Außerdem gibt es bei modernen Anlagen keine Geruchsemission mehr.“ Bürgermeister Hoffmann sieht der Kontroverse gelassen entgegen: „Das Thema berührt mich in diesem Sinne wenig, weil der aktuelle Bauleitplan für das angesprochene Gebiet naturschutzrechtliche Ausgleichsflächen vorsieht.“ Hoffmann spielt damit auf einen Antrag an, über den die Stadtverordnetenversammlung am 9. Dezember entscheiden soll. Dieser sieht vor, für das Gebiet „Im Hengstern“ eine Veränderungssperre zu erlassen. Im Anschluss sollen die Flächen als Ausgleich für Eingriffe in die Natur an anderer Stelle dienen – beispielsweise für das Ausweisen neuer Baugebiete. Sollte der Antrag genehmigt werden, dürften auf dem Areal keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden; die Pläne der Biogasanlage wären hinfällig.

Stadtverordneten würden Bauern enteignen

Problematisch an diesem Vorhaben ist jedoch, dass das Gebiet nicht der Stadt selbst, sondern Landwirt Stefan Wolf gehört. Dieser hatte die 20,6 Hektar vom Hessischen Rundfunk erworben. Die Bemühungen der Stadt Rodgau um den Zuschlag waren vergebens. „Mein Großvater hat das Land vor knapp 50 Jahren selbst an den HR verkauft, der anschließend dort seine Sendemasten installiert hatte. Als sich diese vor ein paar Jahren nicht mehr rentierten und abgebaut wurden, erhielt ich das Land zurück“, erklärt Wolf den Vorgang. Um die Ausgleichsflächen auf Privatgrund dennoch umsetzen zu können, sieht der Stadtverordnetenantrag eine eventuelle Enteignung des Bauern vor. Ein zuvor in Auftrag gegebenes juristisches Gutachten bescheinigt diesem Schritt gute Erfolgsaussichten. „Wenn es soweit kommen sollte, werde ich Normenkontrollklage einreichen. Eine andere Alternative bleibt mir dann ja nicht“, sagt Wolf, der aber selbst dem Ernstfall optimistisch entgegen sieht. „Es gibt keine rechtliche Grundlage, einen Landwirt für Ausgleichsflächen zu enteignen.

Bauer bietet Kompromiss an

Zumal die Stadt beweisen müsste, dass sie diese nicht auch an anderer Stelle ausweisen könnte“, sagt er. Bis zur Veränderungssperre und der Folgeklage will er es aber gar nicht kommen lassen. „Ich habe der Stadt bereits angeboten, auf einigen Flächen um die geplante Biogasanlage herum die benötigten, sogenannten ‘Ökopunkte’ zu errichten und suche auch weiterhin das Gespräch“, sagte Wolf, der auch bereits mit Vertretern des Kreises gesprochen habe. Ob die Stadt Rodgau auf das Angebot eingeht, bleibt abzuwarten.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema von Redaktionsleiter Axel Grysczyk

Mehr zum Thema

Kommentare