Im geheimen Tempel der Offenbacher Freimaurer

Rechts geht´s zum Arbeitsamt, links ins Mittelalter. Dort regiert der "Meister vom Stuhl", genauso wie vor hunderten von Jahren. Er ist der Vorsteher der Offenbacher Freimaurer-Loge "Carl und Charlotte zur Treue".

In der Domstraße 66, im selben Gebäude wie das Arbeitsamt, haben die Geheimbündler ihren Tempel eingerichtet. Zutritt erhält nur, wer die alten Geheimzeichen des Bundes kennt.Früher waren Freimaurer geächtet, wurden gejagt und hingerichtet. Das ist heute vorbei. Über fünf Millionen Mitglieder gibt es weltweit, allein 50 in Stadt und Kreis Offenbach. Dennoch kursieren immer wieder Gerüchte, wonach sie in Särgen schlafen, schwarze Messen abhalten und die Weltherrschaft anstreben.Herbert Füller und Axel Kaiser verweisen solche Vorurteile ins Reich der Fantasie. Füller ist seit über 40 Jahren aktiv und im Moment der "Meister vom Stuhl", Kaiser hält Vorträge und kümmert sich um die Freimaurer-Bibliothek. "Wir sind gute Menschen", versichert er. Die Freimaurerei verstehe sich als ein ethischer Bund. "Die ständige Arbeit an sich selbst führt zu einem menschlicheren Verhalten", ergänzt Kaiser. Fünf Ideale gibt es: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Dennoch predigt die katholische Kirche: Wer Freimaurer ist, sündigt! Vielleicht, weil es in der Domstraße auch um verborgenes Wissen und um mentale Stärke geht. Experte und Buchautor Philip Militz nennt die Freimaurerei gar das "erfolgreichste Personality-Training der Weltgeschichte".Vor 300 Jahren gingen die Logen aus den Zünften der Dombauhütten und Steinmetze hervor. Freimaurer sein bedeutet bis heute Arbeit am "rauen Stein der Persönlichkeit". Der Weg in die Welt des Geheimbundes führt über mehrere Stufen: Sucher, Lehrling und Geselle. Erst, wer sich über Jahre beweist, wird in den höchsten Rang des Meisters gehoben.Jeden Dienstag Abend treffen sich die Logen-Mitglieder zur "Tempelarbeit", einer Mischung aus strikter Zeremonie, Vorträgen und Orgelmusik. Danach wird gegessen und getrunken. "Wir sind Freunde, die sich alles erzählen können", erklärt Axel Kaiser. Aber nur wenige outen sich öffentlich. "Aus Furcht vor Repressalien", weiß Füller. Angst ist jedoch unbegründet: "Verschwiegenheit ist unsere oberste Pflicht."Interessierte können an einem Info-Abend am 25. Juni um 20 Uhr teilnehmen. Weitere Infos gibt´s unter:www.freimaurer-offenbach.de

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