Geheime Botschaften unterm Tisch

+
Dieses Zettelchen fand Günter Hessenauer auf dem Boden in einem Klassenraum.

Frankfurt – Willst du mit mir gehen? Ja. Nein. Vielleicht. Wer erinnert sich nicht an diese Fragen in seiner Schulzeit? Täglich werden unter den Schulbänken Briefchen hin und her gereicht. Von Silke Gottaut

Der Nürnberger Lehrer Günter Hessenauer hat fast vier Jahrzehnte lang über 2000 solcher Briefchen gesammelt. In Frankfurt sind im Museum für Kommunikation bei der Ausstellung „Willst du mit mir gehen? Botschaften unter der Schulbank“ 150 dieser Briefchen noch bis zum 17. Februar 2013 zu sehen. Wie er zu seiner Sammlung kam, verrät er dem EXTRA TIPP im Interview.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen die Briefchen zu sammeln?

Als junger Lehrer, war ich sehr motiviert und gewissenhaft. Ich wollte meine Sache richtig machen und habe nach dem Unterricht das Klassenzimmer stets aufgeräumt. Da sah ich, dass immer wieder kleine Briefchen und Kritzeleien auf Papierschnipseln herrenlos auf dem Boden lagen. Ich habe sie aufgehoben und festgestellt, dass Interessantes oder auch Lustiges dabei war. Ich war überrascht, dass auch Zettel herumlagen, die mit persönlichen oder zum Teil auch vertraulichen Informationen beschrieben waren. Aber durch sie erfuhr ich viel über die „andere Seite der Schule“, was die Schüler so denken und nebenbei machen.

Um was ging es auf den Zettelchen?
Es ging eigentlich um alles. Natürlich ging es um Liebe, die bekannten Klassiker „Willst du mit mir gehen – Kreuze an: Ja, nein, vielleicht.“ Oder um Lehrer, den angeblich langweiligen Unterricht, um Stars oder auch über das aktuelle Weltgeschehen. Die 150 ausgestellten Exemplare meiner Sammlung sind in sieben Kategorien eingeteilt: Weltgeschehen, Langeweile, Traumwelten, Beziehungskisten, Erste Liebe, Schulwelten und Idole/Helden.

Was ist für Sie der lustigste und traurigste Brief, den Sie eingesammelt haben?

Das ist einer von einem Mädchen. Sie schrieb: „Ich bin häßlich – nur ich“. Dieser Satz gab mir den entscheidenden Impuls, dass nicht nur Lustiges geschrieben wird, sondern es auch viel tiefer geht. Die lustigsten Zeilen waren: „Ich bin für die 35-Minuten-Stunde bei vollem Pausenausgleich.“

Ausstellung über Schüler-Briefchen

Meinen Sie, dass das Zettelchen schreiben an Bedeutung verliert durch die neuartigen Kommunikationsmöglichkeiten, wie Facebook, SMS oder Whats-App?

Nein, es wird nicht an Bedeutung verlieren. Handys müssen im Unterricht ausgeschaltet sein. Benutzt trotzdem jemand sein Handy, dann geht er das Risiko ein, dass es ihm vom Lehrer abgenommen wird. Und lieber bekommt man das Zettelchen abgenommen, als sein Handy.

Kommentare