Tag gegen Gewalt: Ältere Frauen immer häufiger Opfer

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Im Main-Taunus-Kreis steigt die Zahl der Beratungen für Gewaltopfer, im Hochtaunuskreis holen sich immer mehr ältere Frauen Rat.

Taunus – Am 25. November ist „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“. Im Hochtaunus findet er in diesem Jahr mit einer durchwachsenen Bilanz statt: Die Gewaltopfer-Zahlen sind unverändert, die Zahl der Beratungen für Gewaltopfer über 60 steigt. Von Julia Renner

998 Beratungen hat die Beratungsstelle des Vereins „Frauen helfen Frauen“ in Oberursel im Jahr 2010 durchgeführt. Aus dem gesamten Hochtaunus kommen die Frauen, die meisten von ihnen aus Oberursel und aus Bad Homburg. „Die Zahl der Beratungen hat sich kaum verändert, schwankt nur leicht“, sagt Mitarbeiterin Eva Beyer.

Auffällig sei allerdings etwas anderes: Immer mehr ältere Frauen werden Opfer von Gewalt. Im vergangenen Jahr kamen 13 Frauen ab 60 zur Beratung. „In den Vorjahren kamen mal fünf oder sechs, manchmal auch keine“, sagt Beyer. Besonders schlimm: Oft ertragen die Frauen seit Jahren, manche seit Jahrzehnten Misshandlungen, sagt Beraterin Eva Beyer. Warum viele Frauen damit erst so spät zur Beratung gehen, erklärt sich Beyer folgendermaßen: „Heutzutage wird mehr über Gewalt gesprochen, früher gab es auch weniger Möglichkeiten, beispielsweise keine Frauenhäuser.

Auch die psychische Gewalt von Männern an Frauen sei leicht angestiegen in den vergangenen Jahren, sagt Beyer. Psychische Gewalt ist auch im Main-Taunus-Kreis ein großes Thema, sagt Anita Pieper vom Verein „Frauen helfen Frauen“ in Hofheim. 1459 telefonische Beratungen gab es im vergangenen Jahr, hinzu kommen 250 persönliche Gespräche. „Die Tendenz ist seit Jahren steigend“, sagt Pieper.

Bei diesen Beratungsgesprächen spielen oft auch besondere Formen der Gewalt eine Rolle. Etwa wenn Kinder schon oft mit ansehen mussten, wie der Vater die Mutter schlägt oder sogar Gewalt in der familiären Pflege.

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