Branchen-Ärger über schwarze Schafe

Sicherheit zu Dumping-Preisen 

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Sicherheitskräfte im Einsatz: Branchenkenner bemängeln, dass vielen Kollegen eine qualifizierte Ausbildung fehlt.

Region Rhein-Main – Ob in Flüchtlingsheimen oder an Discotüren – die Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen sind schon vielen Menschen übel aufgefallen. Jetzt schlägt die Branche selbst Alarm: „Wir sind zu viele, es gibt keine Kontrollen und die Ausbildung ist zu schlaff.“ Von Fabienne Seibel und Axel Grysczyk.

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Plötzlich war das Unvorstellbare ganz nah. Nur ein paar hundert Kilometer entfernt von uns haben sich in jüngster Vergangenheit Szenen abgespielt, die die Deutschen nur aus dem Foltergefängnis Abu-Ghuraib oder dem Gefangenenlager Guantanamo kannten. Deutsche Sicherheitsfirmen haben Flüchtlinge in ihren Heimen gedemütigt, möglicherweise gefoltert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Nach den Skandal-Nachrichten aus dieser Woche steht insbesondere die Sicherheitsbranche am Pranger. Und die wehrt sich. Vor allem gegen die vielen schwarzen Schafe in ihrer Branche.

Harald Olschok, Geschäftsführer beim Bundesverband der Sicherheitswirtschaft in Bad Homburg: „Durch die Tatsache, dass unsere Branche rein den Zugangbedingungen gemäß der Gewerbeordnung unterliegt, ist es sehr einfach eine Tätigkeit auszuüben oder gar ein Gewerbe in diesem Tätigkeitsbereich anzumelden. Nach einer 40 beziehungsweise 80 stündigen Unterrichtung, für Unternehmer zusätzlich die Sachkundeprüfung, und einer Zuverlässigkeitsüberprüfung können sie die Arbeit aufnehmen. Dass so die Qualität der erbrachten Dienstleistung leidet, ist selbsterklärend.“ Olschok geht noch weiter.

Zu viele Sciherheitsunternehmen

Unter den deutschlandweit 4000 Sicherheitsunternehmen befänden sich zahllose Klein- und Kleinstunternehmen. Die derzeit knapp 900 Mitgliedsunternehmen in seinem Verband decken rund 80 Prozent des Marktes ab, so dass die übrigen 3100 Sicherheitsunternehmen sich die verbleibenden 20 Prozent teilen würden. Und die seien eigentlich zu viel. Dies bestätigt auch Michael Wolfram von der Securitas Sicherheitsdienste GmbH in Frankfurt: „Wir haben einen Überschuss an Sicherheitsunternehmen. Allein im Rhein-Main-Gebiet gibt es über 300.“

Der Sicherheitsexperte ergänzt: „Die Zugangsvoraussetzungen, um ein Sicherheitsunternehmen zu gründen, sind sehr niedrig. So können auch kleine Unternehmen entstehen, die jedoch viele Regelungen wie Mindestlöhne nicht einhalten.“ Es gehe nur noch um den Preis, darunter leide die Qualität.

Qualität leidet unter Dumping-Preisen

Das sieht Frank Bartenstein ähnlich. Der Geschäftsführer der Offenbacher BWS-Sicherheitsdienste bemängelt, dass zu viele Firmen einen Qualitätsanspruch vermissen lassen. „Da wird sich eine Jacke angezogen und fertig. Das hat aber mit Sicherheit nicht zu tun“, sagt er. Schließlich sei die Fachkraft für Schutz und Sicherheit ein Ausbildungsberuf. Doch viele Kollegen in der Branche würden die Arbeit in der Sicherheitsbranche nur nutzen, um nach einem Jobausstieg die Zeit zu überbrücken und Geld zu verdienen. Bartenstein: „So Leute haben bei mir keine Chance. Meine 100 Mitarbeiter bekommen Prämien, wenn sie länger in meinem Unternehmen bleiben.“

40-Stunden-Einweisung reicht nicht aus, um Personal zu schulen

Der langjährige Kenner der Sicherheitsbranche bemängelt auch, dass das für sie zuständige Ordnungsamt kaum Kapazitäten hat, die Zustände in den Firmen zu überprüfen. Und zu guter Letzt macht das Preisdumping – an dem sich durch EU-Recht Firmen aus ganz Europa beteiligen können – alles kaputt. Bartenstein: „Es geht um ihr Eigentum. Da sollten die Leute sich wirklich mal überlegen, mit wem sie da eigentlich zusammen arbeiten.“

Verbandschef Olschok fordert mehr Qualität. Mit einer 40 Stunden-Einweisung seien viele Kollegen noch nicht ausreichend geschult. Olschok: „Unsere Branche ist extrem vielfältig und sie können in dieser kurzen Zeit nicht auf Einsätze im Objektschutz von Firmen, in der Parkraumbewirtschaftung, im Veranstaltungsordnungsdienst für Großveranstaltungen oder gar in einem Flüchtlingswohnheim vorbereitet sein.“

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