Damit der Verkehr flüssig läuft, riskieren sie ihr Leben

Gefahr gehört zum Beruf: Die verachteten Helden der Autobahnmeisterei

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Frank Bader, Kolonnenführer bei der Autobahnmeisterei Frankfurt, stellt Pylonen für eine Tagesbaustelle auf der A5 auf. Die Gefahr, dass ein Autofahrer die Baustelle übersieht, ist aber immer da.

Region Rhein-Main – Ohne ihre Arbeit würde der Verkehr im Rhein-Main-Gebiet kaum anständig fließen. Damit der Verkehr aber rollen kann, setzen die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Frankfurt jeden Tag ihr Leben aufs Spiel. Doch kaum einen Autofahrer kümmert das. Von Dirk Beutel

Ihr Job ist wichtig und gefährlich. Sie müssen schnell arbeiten und riskieren jeden Tag ihr Leben, nur damit wir an unser Ziel kommen. Die Gefahr gehört für die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Frankfurt zum Berufsrisiko. Das Revier der etwa 40 Straßenwärter dort sind über 225 Kilometer Autobahn rund um das Frankfurter Kreuz.

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Ein wahnsinnig großes Gebiet, mit extremen Verkehrsaufkommen: „Im Durchschnitt fahren dort etwa 330.000 Fahrzeuge in 24 Stunden entlang“, sagt Matthias Achauer, Chef der Straßen- und Autobahnmeisterei Frankfurt. „Das Rhein-Main-Gebiet ist phasenweise überlastet“, sagt Achauer: „Deshalb müssen wir immer bereit sein, um flexibel auf den Verkehr reagieren zu können.“ Dabei steigt das Verkehrsaufkommen weiter an. Und damit die Gefahr für die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei. Zu deren Kernarbeit gehört die Fahrbahn-Reinigung, Instandsetzung von Verkehrsschildern, Grünpflege, Holzschnitt und das Reinigen von Entwässerungsanlagen.

Bei Stau trägt der Schuldige immer orange

Zu den größeren Herausforderungen gehört der Winterdienst. 24 Stunden Bereitschaft. Selbst dann, wenn es gar nicht nach Schnee aussieht, müssen die Streckenwärter hellwach sein. Zu den gefährlichsten Aufgaben gehört das Absichern von Baustellen auf der Autobahn. Besonders riskant: Tagesbaustellen. Mit über hundert Stundenkilometern brettern zahlreiche Autos und tonnenschwere Lkw nur wenige Zentimeter an den Straßenwärtern vorbei. Und das, obwohl mehrere Kilometer zuvor die Warnzeichenanlagen die erlaubte Höchstgeschwindigkeit drosseln sollen. Eigentlich sind im Baustellenbereich nur 80 erlaubt, es hält sich nur kaum jemand dran. Die Gefahr, dass ein Fahrer abgelenkt ist oder die Baustelle übersieht, ist allgegenwärtig. „Wir können uns auf vieles, aber nicht auf alle Eventualitäten vorbereiten. Mit diesem Risiko müssen wir leben. Jeden Tag“, sagt Frank Bader. Er ist einer von drei Kolonnenführern bei der Frankfurter Meisterei. Ein echtes Original. Seit 1980 ist er bei der Truppe. Bader hat viel erlebt und weiß, wie undankbar sein Job manchmal sein kann. „Wenn es wegen einer Baustelle zu einem Stau kommen sollte, trägt der Schuldige immer orange“, sagt Bader. Er selbst wurde schon bespuckt und mit einer Cola-Dose beworfen. Das seien zwar Einzeltäter, trotzdem kann der Autobahn-Veteran bei solchen Reaktionen nur ungläubig den Kopf schütteln. Dennoch herrscht unter den Straßenwärtern hohes Pflichtbewusstsein und eine große Verantwortung für die Kollegen. Mindestens einer hat auf der Autobahn immer ein Auge auf den Verkehr.

Am besten ist man so gut wie unsichtbar

Was die Männer zusätzlich schützt, ist ihre reflektierende Kleidung und ein Schwerlaster, der die Baustelle vorne absichert. Dann, etwa 100 Meter lang, werden am Fahrbahnrand Pylonen bis zur eigentlichen Baustelle aufgestellt. „Wir arbeiten mitten im Verkehr. Die große Kunst ist, dass wir uns so gut wie unsichtbar machen müssen“, sagt Bader. „Dabei versuchen wir unser Möglichstes, den Verkehr nicht zusätzlich zu bremsen“, ergänzt Achauer. Trotzdem sind seine Mitarbeiter vielen Autofahrern lästig. Das große Problem: Es gibt so gut wie keine Zeitfenster, in denen problemlos eine Baustelle tagsüber errichtet werden könne. Statt dessen weiche man auf die Wochenenden oder in die Nachtstunden aus, wenn es die Arbeiten zulassen. Zum Tagesgeschäft gehört auch die Absicherung von Unfallorten. Meist sind Baders Kollegen die ersten am Ort. Wenn sich bereits ein Stau gebildet hat, ist das Ankommen dort jedoch eine Meisterleistung: Den Autobahnern macht kaum einer freiwillig Platz. Bader: „Wenn wir schnell irgendwo hin wollen, intetessiert das niemanden. Wenn die Leute einen orange-farbenen Lkw mit orange-farbenem Licht auf dem Dach sehen, denken sie oft an die Müllabfuhr.“

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