Gedudel ist Silber, Musik ist schwarz: Seine Welt ist eine Scheibe

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Jürgen Werle-Mock im Platten-Archiv seiner Mainhausener Firma.

Mainhausen – Die Welt ist eine Scheibe: Ein Mainhausener und seine Angestellten arbeiten daran, ein ganzes Weltbild aus den Fugen zu bringen. CD und Mp3 waren gestern. Heute ist Vinyl. Von Christian Reinartz

Immer mehr Menschen kaufen wieder Schallplatten. Ein Trend, den Jürgen Werle-Mock mit seiner Plattenfirma Eldorado Media im großen Stil vorantreibt. Denn im unscheinbaren Dachgeschoss eines Mainhausener Wohnhauses sitzt einer der größten Plattenhersteller Deutschlands. Trotzdem ist seine Firma in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Denn das, was er und sein Spezialisten-Team tagtäglich produzieren, steht zwar mittlerweile in jedem Plattenladen der Republik. Aber den Hinweis auf seine Beteiligung findet der Musikliebhaber höchstens im Kleingedruckten auf der Rückseite des Plattencovers. „Wir sind sozusagen die Architekten der Plattenproduktion“, sagt Werle-Mock.

Musikproduzenten, aber auch Musiker selbst beauftragen ihn, eine Vinyl-Platte ihres Albums zu produzieren. „Dann läuft die Maschinerie los“, sagt der Unternehmer. Tausende Kontakte hat er in der Musikindustrie, weiß woher er das hochwertigste Vinyl bekommt, weiß welches Werk am exaktesten die Platten presst, kennt die besten Cover-Designer und kann wahrscheinlich so ziemlich jedes Material besorgen, um daraus eine Plattenhülle herzustellen. Neuester Trend: Die Flexi-Platte aus den 80ern. Die ist fast so dünn wie ein Blatt Papier und wird immer häufiger Musikmagazinen beigelegt. Auch farbige Platten oder welche mit Lasergravur über den Rillen sind in. „Wir organisieren die Plattenproduktion von vorne bis hinten“, sagt Werle-Mock: „Eben wie ein Architekt beim Hausbau.“

Jörg Rieland (mit Kappe) und Frank Simon sind Eldorados Spezialisten für die Plattenproduktion.

Unter dem Dachgiebel lagern Musterstücke seiner bisherigen Produktionen. Meterlange Regale sind brechend voll, tragen tausende von Schallplatten. Darunter sind bekannte Produktionen wie etwa ein Culcha-Candela-Album oder eine Jamie-Cullum-Nummer. „Die ganz Großen kriegen wir natürlich nicht“, sagt Werle-Mock: „Die lassen direkt von Sony oder Universal produzieren.“ Dennoch beläuft sich die Auflage oft auf mehrere tausend Exemplare. Das ist teuer in der Herstellung. Bis zu sieben Euro kann die Produktion einer Vinylscheibe inklusive Edel-Cover kosten.

Das schlägt sich natürlich in den Preisen nieder. So kostet ein Vinylalbum im Laden meist deutlich mehr, als die vergleichbare CD. „Dafür bekommt man aber auch mehr Klang“, ist Werle-Mock überzeugt. Zudem gehen offenbar immer mehr Hersteller dazu über, den Platten auch eine CD-Version des Albums beizulegen und Download-Codes für die Mp3-Version. „Das wird aber wegen der Bequemlichkeit gemacht“, sagt Werle-Mock: „Denn das, was unsere Platten rüberbringen, kann keine Silberscheibe.“

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