Gästezahlen lassen keinen Zweifel zu

Urlaub in Offenbach? Nein Danke!

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Ist Offenbach als Urlaubsstadt wirklich so unattraktiv?

Offenbach - Offenbach-Urlauber sucht man vergebens. Denn wer in Offenbach übernachtet, macht dies meist aus geschäftlichen Gründen, oder um die Nachbarstadt Frankfurt zu besichtigen. Von Ronny Paul 

Offenbach scheint für Urlauber wenig attraktiv zu sein. Zumindest lassen das die Zahlen der Übernachtungen in Hotels, Gästehäusern und Campingplätzen vermuten. Der Extra Tipp hat bei den Unterkünften nachgefragt. „So gut wie alle meine Gäste übernachten bei mir aus geschäftlichen Gründen. Zum Urlauben kommt hier keiner hin“, sagt Simon London, der ein voll möbliertes Zwei-Zimmer-Appartement im Offenbacher Stadtzentrum vermietet.

Auch dem Offenbacher Campingplatz in Bürgel verläuft die Suche nach begeisterten Lederstadt-Urlaubern erfolglos. Pächterin Ruth Koch: „Urlaub macht bei uns eigentlich keiner. Und wenn, dann nur, um sich Frankfurt anzuschauen.“ In den Offenbacher Hotels nachgefragt, sieht das nicht anders aus: „Bei uns liegen viele Flyer für Freizeitmöglichkeiten in Offenbach aus. Allerdings werden die sehr wenig, bis gar nicht genutzt. An der Rezeption wird eigentlich immer nach Ausflugs oder Freizeitzielen in Frankfurt gefragt“, schildert Leokadia Wellner, Direktions-Assistentin des Offenbacher Sheraton. Sie bestätigt die Annahme, Hotelgäste kämen nur geschäftlich in die Stadt.

Offenbach steht in der Beliebtheit bei Touristen im Schatten des großen Nachbarn Frankfurt. Das belegen auch die Zahlen des Statistischen Landesamts für Tourismus und Verkehr in Hessen: Im gesamten letzten Jahr haben rund 387.000 Gäste in Offenbach übernachtet. Frankfurt übertrifft diese Zahl in nur einem Monat: Dieses Jahr im April übernachteten allein 583.000 Besucher in den Gästebetten der Mainmetropole. Vera Asllani vom Europa Hotel in Offenbach kennt die Frage, welche Bahn denn nach Frankfurt fahre, sehr gut. Allerdings räumt die Rezeptionistin ein: „Es gibt auch den ein oder anderen Gast, der sich schon mal einen Tag nimmt und sich Offenbach anschaut.“ Doch das komme in letzter Zeit nicht so häufig vor.

Es scheint so, als wäre Offenbach wirklich nur eine Übernachtungsstadt für Geschäfts- und Durchgangsreisende – auch auf dem Bürgeler Campingplatz. Pächterin Koch: „Die meisten Camper kommen aus dem Norden, bleiben zwei bis drei Tage und ziehen in den Süden weiter.“ Selbst die Dauercamper würden den Campingplatz nicht als Erholungsort nutzen: „Die meisten campen hier, weil sie in der Region saisonal arbeiten.“

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