Führungen durch den Frankfurter Grüngürtel

Gabriele Klieber ist die Ginnheimer Marktfrau Babett

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Gabriele Klieber in der Ausstellung „G-Town. Wohnzimmer Ginnheim“. Dort ist unter anderem der von Schüler nachgebaute Stadtteil zu sehen.

Frankfurt – „Eine Marktfrau darf über alles reden“, meint Gabriele Klieber. Und genau diesen Umstand nutzt die Ginnheimerin, um bei ihren angebotenen Rundgängen durch den Stadtteil oder im Frankfurter Grüngürtel als Babbet keine Hand vor den Mund nehmen zu müssen. Von Norman Körtge

„Denken Sie hier an Frankfurt?“, fragt Gabriele Klieber am Mittwochnachmittag im Gemeindezentrum der Evangelischen Bethlehemgemeinde in Ginnheim ihre Zuhörer. Auf einem Foto ist in der Ferne eine junge Reiterin mitten auf dem Feld zu sehen, im Vordergrund ein knorriger, alter Baum. Idylle pur. Nur die im Hintergrund sichtbaren Wohnblocks lassen erkennen, dass es keine Aufnahme vom flachen Land ist, sondern im Frankfurter Grüngürtel entstanden ist. Es sind diese Kontraste – genauso wie die wunderschönen Nidda-Altarme – die Klieber an dem Landschaftschutzgebiet reizen, durch die sie seit 2004 geführte Spaziergänge anbietet oder Vorträge hält. Wie etwa am Mittwoch über die „Fromme Tour“ entlang der sich im Grüngürtel kreuzenden Bonifatiusroute und dem Elisabethpfad. Einen Kontrast hat Klieber auch in ihren Frankfurter Wohnungen vorzuweisen. Aufgewachsen im von der Chemie-Industrie geprägten Stadtteil Griesheim, zog es sie 1995 ins grünere Ginnheim – und erlebte auch dort den Wandel. Denn sie zog in die nach dem Abzug der amerikanischen Soldaten verwaisten Housing Areas . Jetzt wohnt sie in der unter Denkmalschutz stehenden und von Ernst May entworfenen Siedlung Höhenblick. „Ich wohne ‘in der neuen Sachlichkeit’“, sagt Kieber gerne und meint damit die architektonisch so gewollten vielen rechten Winkel. Dass Gabriele Klieber eine engagierte Frau ist, zeigt die Diplom-Pädagogin auf vielfältige Weise. Seit 2006 sitzt sie im Ortsbeirat. Derzeit ist sie fraktionslos aber „Grün“, wie sie es bezeichnet. Am Herzen liegt ihr aber die Marktfrau Babbet. Nicht weil sie sich wie eine Marktfrau kleidet, sondern als solche reden kann. Einfach babbeln halt, ohne Tabus.

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Als solche räumt sie selbstverständlich auch mit den drei „Ginnheimer Irrtümern“ auf. Weder die Bundesbank , noch das Markus-Krankenhaus und auch nicht der als „Ginnheimer Spargel“ bekannte Fernsehturm gehören zu Ginnheim. Es ist Bockenheim, auch wenn der Fernsehturm auf der Ginnheimer Höhe steht. Wenn Babbet von Ginnheim spricht, dann bezeichnet sie es auch als „’das Sachsenhausen des Nordens’, weil es früher hier so viele Kneipen gab.“ Das hat sich geändert. Erfahrbar ist der Wandel und die vielen Facetten Ginnheims derzeit am besten in der Ausstellung des Stadtlabors, die unter dem Titel „G-Town. Wohnzimmer Ginnheim“ noch bis 4. Juli beim TSV Ginnheim , Am Mühlgarten 2, zu sehen ist. Geöffnet ist sie dienstags bis freitags von 16 bis 20 Uhr sowie am Wochenende von zwölf bis 18 Uhr. Wer Kontakt zu Gabriele Klieber sucht, macht dies am besten über das Nachbarschaftszentrum Ginnheim , Ginnheimer Hohl 14, Telefon (069) 53056679.

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