Fünf zusätzliche Urlaubstage für die Weiterbildung

So funktioniert’s mit dem Bildungsurlaub

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Fünf Tage im Jahr können sich Arbeitnehmer weiterbilden, ohne extra Urlaub nehmen zu müssen.

Region Rhein-Main - Laut Statistik nutzt es gerade einmal ein halbes Prozent der hessischen Arbeitnehmer: Das Recht auf Bildungsurlaub. Damit verschenken die meisten fünf zusätzliche freie Tage für die Weiterbildung. Der EXTRA TIPP zeigt, welche Bedingungen daran geknüpft sind. Von Oliver Haas 

Kaum jemand weiß: Arbeitnehmern in Hessen stehen fünf Tage Bildungsurlaub zu. Wobei das Wort Urlaub nicht zu wörtlich zu nehmen ist. Denn statt mit dem Caipi am Strand den Wellen zu lauschen, hört man in diesen Tagen mit Kugelschreiber in der Hand einem Dozenten zu und erweitert seinen geistigen Horizont. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration gibt diese Tipps zum Thema:

1. Was bringt diese Art Urlaub überhaupt?

Wer sich beruflich weiterbildet, kann sich neue Inhalte für das eigene Berufsfeld aneignen, bereits vorhandene Fähigkeiten ausbauen oder berufliche Kenntnisse auffrischen. Der Bildungsurlaub eröffnet die Chance, politische und gesellschaftliche Entwicklungen in einem größeren Zusammenhang zu reflektieren oder sich als Ehrenamtler aktiv auf den unterschiedlichsten Ebenen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu beteiligen.

2. Wer kann Bildungsurlaub in Anspruch nehmen?

Alle hessischen Beschäftigten sowie Auszubildenden haben Anspruch auf fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr. Dieser besteht, sobald seit mindestens sechs Monaten gearbeitet wird. Alle Beschäftigten der privaten Wirtschaft und des Öffentlichen Dienstes können ihn beantragen. Für Beamte, Richter und Soldaten, die nicht unter das hessische Bildungsurlaubsgesetz fallen, gelten Sondervorschriften.

3. Welche Veranstaltungen können dafür besucht werden?

Die angebotenen Seminare umfassen das gesellschaftlich-politische Leben. Jede Veranstaltung der politischen Bildung muss dabei das Ziel verfolgen, das Verständnis der Beschäftigten für gesellschaftliche, soziale oder politische Zusammenhänge zu verbessern, um die Mitsprache in Staat, Gesellschaft oder Beruf zu fördern. Das kann eine Weiterbildung von Sprachen, EDV-Kenntnissen, Rhetorik und mehr sein. Dabei müssen diese Veranstaltungen keinen inhaltlichen Bezug zum ausgeübten Beruf haben. Für ehrenamtliche Tätigkeiten können etwa Schulungen in Anspruch genommen werden für die Jugend- und Altenhilfe, Hospizarbeit und Telefonseelsorge, das Sozial- und Wohlfahrtswesen, die Hilfe für Flüchtlinge oder für die Tätigkeit als Sporttrainer.

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4. Wer muss die Kosten für den Bildungsurlaub tragen?

Die Seminarkosten selbst muss der Arbeitnehmer tragen. Allerdings ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Lohn in dieser Zeit weiter zu bezahlen. Für kleinere Betriebe war dies oft ein Problem. Ende 2017 beschloss deshalb der hessische Landtag eine Gesetzesänderung, wonach kleinen Betrieben mit 20 oder weniger Beschäftigten ein Lohnkostenzuschuss von bis zu 50 Prozent der jeweiligen Lohnkosten vom Staat gewährt wird.

5. Wann kann der Arbeitgeber den Antrag ablehnen?

Der Arbeitgeber kann einen Antrag auf Bildungsurlaub verwehren, wenn für den Zeitraum dringende betriebliche Erfordernisse entgegenstehen oder wenn in dem jeweiligen Betrieb im laufenden Kalenderjahr mehr als ein Drittel der Beschäftigten bereits an anerkannten Bildungsurlaubsveranstaltungen teilgenommen hat.

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