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Bei der Show „Inspiration“ gibt‘s neben Akrobatik auch ein echtes Flammenmeer zu sehen.

Dietzenbach/Dreieich – Sie verbinden Feuer und Tanz, Erotik und Akrobatik, Poesie und Schauspiel: Die Feuertänzer aus Dreieich bieten ein buchstäblich heißes Programm und begeisterten schon Südafrikas Ex-Präsidenten und Freihheitskämpfer Nelson Mandela. Dabei kam Firedance-Chef Christian Weiß erst durch seinen Berufsaustieg auf die zündende Idee. Von Andreas Einbock

Wie mittelalterliche Gaukler wirken zwei Jongleure vor dem Europahaus in Dietzenbach. Auch im Saal drehen und werfen zehn junge Frau und Männer langen Stäbe und Seile. „Die meiste Zeit üben wir ohne Feuer. Für eine neue Show muss erst die Bewegung und der Rhythmus stimmen“, sagt Christian Weiß und beschreibt die Akrobatik des Feuertanzes mit einem langen, kreisenden Kontaktstab in der Hand: „Du baust dir deine eigene Matrix und eine Energierichtung auf. Erst wenn man das spürt, kann man Musik, Rhythmus und Feuer dazunehmen.“ Der 35-jährige Dreieicher arbeitete als Werbetexter bis er genug von verspiegelten Hochhäusern hatte. „Ich dachte, es muss noch einen anderen Sinn im Leben geben“, erinnert sich Weiß und fügt hinzu: „Dann lud mich ein Freund nach Neuseeland ein. Ich habe Job und Wohnung gekündigt und ein halbes Jahr bei einer Maori-Familie gelebt.“

Feuergruppe am Strand brachte zündende Idee

Firedancer-Chef Christian Weiß


Während seiner Zeit im südpazifischen Inselstaat lernte er das traditionelle Poi-Schwingspiel kennen, das mit zwei Plüschbällen an einer Kette ohne Feuer betrieben wird. Erst in der zweiten Hälfte seines Aussteigerjahres, die er in Australien verbrachte, kam ihm die Idee: „In Byron Bay begeisterte eine Feuergruppe die Menschen am Strand. Da dachte ich mir: Das zusammen mit den Pois und Akrobatik in Deutschland, das wäre was“, sagt Weiß, derim Frühjahr 2002 in die Heimat zurückkehrte und mit dem Training begann. In lockerer Form tanzte er auf den Wiesen am Main. Seine Freunde kamen hinzu. Die Initialzündung war 2003, als sie vor beim Museumsuferfest auftraten: „Danach gab‘s viel Anfragen von Frankfurter Klubs.“ Als das Team, die Anzahl der einzelnen Shows und der TV-Auftritte wuchs, gründete er 2006 eine GbmH, die ihren Sitz in Dreieich hat.

Ästethik aus Jonglage, Tanz und Feuer

Die beiden sind Feuer und Flamme: Beim Stück „2 Love“ gehört eine Prise Erotik dazu.

Zur Firma zählen inzwischen 25 Leute, davon sechs Festangestellte, und zehn verschiedene Showprogramme. „Wir machen kein Feuerspucken wie im Mittelalter“, betont Weiß, der seine Leidenschaft in einem anderen Licht sieht: „Bei uns wird Choreografie mit Schauspiel und Musik verbunden. Wir wollen einfach die Ästethik von Jonglage und Tanz mit Feuer zeigen und den Feuertanz auf die große Bühne holen.“ Das ist ihm bereits mehrfach gelungen. Bei der „Feuerwelt am Grünen See“ in Mühlheim strömten im vergangenen Jahr 4000 statt der geplanten 1000 Zuschauer zum Auftritt. Im NDR-Fernsehen tanzten sie live auf einem Luxusdampfer, mit Philharmonikern begeisterten sie Klassikfans bei den Märchenfestspielen in Hanau und selbst vor Staatsoberhäuptern traten sie auf.

Ohne Respekt vor dem Feuer geht nichts

„Im letzten Jahr haben wir die Cricketmeisterschaft in Südafrika eröffnet. Da hat uns der amtierende Präsident Jacob Zuma und Nelson Mandela zugewunken“, erinnert sich Weiß. Doch große und stadionfüllende Show sind nur ein Teil. „Die meisten der etwa 150 Auftritte im Jahr sind bei Jubiläen, Geburtstagen und Hochzeiten, für die wir individuelle Stücke spielen“, beschreibt Weiß seine Progammpalette, zu der auch eine Feuerschule und Feuerprojekte an Schulen gehört. „In den Kursen vermitteln wir den Respekt vor dem Feuer. Ohne den geht gar nichts“, beschreibt er seine Philosophie. Einen Eindruck davon gibt‘s am 17. Juli im WDR-Fernsehen. „Dann treten wir mit unserer neuen Show Firedrums mit brennden Fäsern und Didgeridoos auf“, freut sich Weiß auf das Festival Kölner Lichter. Die Live-Sendung beginnt 20.15 Uhr. Ab Mitternacht kommen die Firedancers.

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