Faszination Archäologie

Auf den Spuren der Steinzeit-Hofheimer

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In der Hand von Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang liegt die gefundene Pfeilspitze aus der Steinzeit.

Hofheim – Auf dem Kapellenberg bei Hofheim hat es schon vor 6000 Jahren ein Dorf gegeben. Das bestätigen neue Funde. Die Archäologen sind begeistert und wollen weiter graben. Von Norman Körtge

Der Laie sieht eigentlich nur Erdschichten und Steine. Auch wenn sich Grabungsleiter Timo Lang Mühe gibt und gezielt auf einige Stellen zeigt, wird dem Nicht-Archäologen viel Vorstellungskraft abverlangt. Vor allem zwei Mulden, gut 50 Zentimeter unterhalb des Waldbodens, haben es dem Wissenschaftler des Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) angetan. „Sie sind wahrscheinlich nicht natürlichen Ursprungs“, meint Lang. Eventuell Spuren von Steinzeitmenschen, die vor etwa 6000 Jahren auf dem Kapellenberg bei Hofheim in einer befestigten Siedlung gelebt haben. Für die Wissenschaftler um RGZM-Projektleiter Detlef Gronenborn eine kleine Sensation. „Die diesjährigen Erkenntnisse werden die Diskussion neu beleben. Wiederum erweist sich der Kapellenberg als Glücksfall für die archäologische Forschung“, sagt er. Zwar ist bereits seit ein paar Jahren durch Scherbenfunde und die Untersuchung einer Wallanlage bekannt, dass auf dem Hofheimer Hausberg schon vor vielen tausend Jahren Menschen gelebt haben. Aber: Die Konzentration von hunderten von Keramikscherben unterhalb einer ehemaligen Oberfläche sind für Siedlungen der sogenannten Michelsberger Kultur sonst noch nirgendwo beobachtet worden. Manche Kollegen würden gar die Existenz von Siedlungen innerhalb von Wall-Graben-Anlagen anzweifeln. „Wir haben hier vielleicht die Möglichkeit herauszufinden, wie ein steinzeitliches Dorf funktioniert hat“, so Gronenborn.

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Auch dafür ist viel Vorstellungskraft notwendig. Denn auf dem heute bewaldeten Kapellenberg dürften vor 6000 Jahren nur ein paar Baumgruppen gestanden haben. Holz war wichtiges Brenn- und Baumaterial. Das Landesamt für Denkmalpflege jedenfalls will das Projekt weiter fördern. Auch zur Freude von Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang, die auf weitere Funde wie der einer steinernen Speerspitze hofft. Schon jetzt steht für sie fest, dass die neuen Erkenntnisse die Geschichte von Hofheim in einem anderen Licht erscheinen lassen.

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