Autoschilder-Läden vor dem Aus: Nach dem Ende der Abwrackprämie sorgt eine neue Ausnahmeregelung für den nächsten Schock

Vom Frust geprägt

+
Autoschilder-Läden vor dem Aus: Nach dem Ende der Abwrackprämie sorgt eine neue Ausnahmeregelung für den nächsten Schock

Offenbach/Frankfurt – Einige haben ihr Geburtsdatum andere ihre Heimatstadt einprägen lassen, den meisten ist es egal, was draufsteht. Doch alle Autofahrer brauchen nach einem Wohnungsumzug eine neues Nummernschild – bisher. Ab 1. November können Hessen als Erste in Deutschland das Kennzeichen behalten. Was Autofahrer zusätzliche Wege, Zeit und Geld spart, könnte Christa Spielmann den Arbeitsplatz kosten. Von Andreas Einbock

Allein sitzt sie in ihrem Laden in der Frankfurter Straße und wartet auf Kundschaft. Christa Spielmann arbeitet seit über zehn Jahren halbtags mit zwei Kolleginnen bei Autoschilder Kürzinger, einem der kleineren von vier Läden in der Nähe der Offenbacher Zulassungsstelle.

So ruhig wie in diesen Tagen war es noch nie. Es gab Tage, da haben die Leute Schlange gestanden“, erinnert sich die 52-jährige Mühlheimerin an bessere Zeiten. In denen gab es auch noch keine gekürzten Öffnungszeiten der Zulassungsstelle und die Abwrackprämie war auch noch unbekannt. „Unsere besten Wochentage waren Freitag und Samstag. Da kamen die Leute aus ganz Deutschland zu uns, weil neben Wiesbaden nur Offenbach die Autos auch am Samstag zugelassen hat. Nur dann haben die da drüben den Samstag und Freitagnachmittag gestrichen“, sagt Spielmann und zeigt auf das Gebäude gegenüber.

Darin befindet sich die Zulassungsbehörde, über die sich die Schilderprägerin am meisten aufregt. „Wenn die neue Mitarbeiter bekommen, entscheiden die von heute auf morgen anders. Die wollen einfach nur die Leute ärgern und lassen die Kunden manchmal mehrmals die Schilder vorlegen“, ärgert sich Spielmann über die Behördenwillkür.

Von der Ausnahmeregelung, nach der Fahrzeughalter nach einem Umzug innerhalb Hessens ihr altes Autokennzeichen behalten dürfen, erfuhr sie vor einer Woche. Mit Galgenhumor kommentiert Spielmann die dritte Änderung innerhalb eines Jahres: „Ich rechne mit dem schlimmsten für unser Geschäft.“

Verluste beklagt auch Peter Große-Föller. Der Frankfurter lebt seit 38 Jahren von seinem Zulassungsdienst in Rebstock. „Der ganze Exportsektor ist zusammengebrochen. Früher hatte ich 60 Gebrauchtwagenhändler als Kunden, heute nur noch 18. Momentan arbeite ich nur noch für die Unkosten“, schimpft er. Frustriert ist er auch über die Neuregelung: „Das ist alles nicht ausgegoren und von Theoretikern ausgedacht worden. Was passiert denn, wenn man mehr als einmal umzieht?“

Vermutlich braucht man dann wieder ein neues Nummernschild aus einer der 27 Zulassungs- und 24 Nebenstellen in Hessen. Denn zunächst durchläuft diese bundesweite geltende Ausnahmemöglichkeit der Fahrzeug-Zulassungsverordnung eine Erprobungsphase, wie von Wolfgang Harms vom Hessischen Verkehrsministerium erklärt: „Wir entscheiden im nächsten Frühjahr, ob wir auch den Mehrfachumzug und die Regelungen zur Stilllegung und zum Außerbetriebsetzen eines Fahrzeugs ebenfalls freigeben können.“

Ob Christa Spielman dann noch Autoschilder prägen wird, ist ungewiss: „Wir müssen uns sowieso immer und allen unterordnen.

Kommentare